Notizen vor der Mitgliederversammlung am 6. Dezember

Wenn am 6. Dezember die Vereinsmitglieder des 1. FC Saarbrücken zur jährlichen Versammlung zusammentreffen, wird es für mich persönlich nicht das erste Mal sein. Aber jeder Besuch, ob in Saarland- oder Congresshalle, hält stets interessante neue Erkenntnisse bereit. Und viele Mitglieder scheinen auch beim zehnten Mal nicht zu wissen, was so eine Mitgliederversammlung wirklich bedeutet. Deswegen gibt es diesmal eine kleine Handreichung vorab, um den Besuch zu vereinfachen.

Ich bin noch nicht Mitglied – wie lange kann ich’s werden?

Theoretisch und ist es noch am Tag der Mitgliederversammlung möglich, dem Verein beizutreten (und den Mitgliedsbeitrag für das Jahr anteilig zu zahlen). Praktisch haben dies schon Leute am Abend der Veranstaltung vor Ort getan – in der Satzung ist nur geregelt, dass ein ordentliches Mitglied nach bezahlen des ersten Monatsbeitrags stimmberechtigt ist. Man muss natürlich auch schon 18 Jahre alt sein.

Was wird in diesem Jahr wichtig?

Neuwahlen für Gremien gibt es diesmal keine. Dafür wird aber über eine Reihe von Satzungsänderungsanträgen abgestimmt. Zudem darf erwartet werden, dass sich Präsidium und Aufsichtsrat zur Machbarkeitsstudie äußern.

Wieso dürfen stimmberechtigte Mitglieder beim 1. FC Saarbrücken nicht das Präsidium direkt wählen?

Der Verein begründet das immer wieder – ob bei Mitgliederversammlungen und davor – mit DFB-Statuten, gegen die eine Direktwahl des Präsidenten verstoßen würde. Tatsächlich bleibt der Verein da den Beweis schuldig. Was stimmt: Mitte der 90er erarbeitete der DFB eine Mustersatzung für seine Mitgliedsvereine, die allzu schnelle Umstürze von Präsidenten durch die Mitgliederversammlung erschwerten. Deswegen ist in Saarbrücken der Aufsichtsrat für die Bestellung des Präsidiums zuständig. Ein Antrag auf Änderung der Satzung wurde im Vorfeld seitens des Vereins nicht zugelassen – mit Verweis auf die DFB-Statuten.

Tatsächlich scheint es aber keine Probleme mit dem DFB zu geben, wenn Mitglieder das Präsidium in Direktwahl wählen. Beim FC St. Pauli und beim Karlsruher SC dürfen das die Mitglieder.

Ein weiterer Schritt wäre es auch, dass die Mitglieder selbst den Vorsitzenden des Aufsichtsrates wählen. Auch dies ist in anderen Vereinen üblicherweise eine Aufgabe der Mitgliederversammlung.

Paragraph 11, Absatz 6: „Über eine Änderung der Satzung … beschließt die Mitgliederversammlung mit einer Mehrheit von 3/4 der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder. …“ Warum will der Verein den Wortlaut von „anwesenden stimmberechtigten Mitglieder“ zu „abgegebenen Stimmen“ ändern?

In der juristen Begründung heißt es, dass hier der neue Wortlaut des entsprechenden Gesetzes (§ 32 Abs. 1 BGB) angewendet werden soll. Doch es gibt auch eine zweite, sehr heikle Dimension dieses Satzes. Denn: Je länger der Abend, umso mehr Menschen verlassen vorzeitig die Mitgliederversammlung. Im alten Wortlaut ergibt sich hier die Schwierigkeit der Definition, ab wann die Anwesenheit erlischt. Und ganz praktisch: Es müsste bei jedem Wahlgang auch die Gesamtzahl der anwesenden Mitglieder überprüft werden, was die Mitgliederversammlung noch mehr in die Länge zieht.

Sind 3/4 der abgegebenen Stimmen nicht immer noch eine viel zu große Hürde?

Hierzu gibt es unterschiedliche Ansichten. Einerseits ist bei der Hürde von 75% ein verabschiedeter Antrag entsprechend hoch legitimiert und wird von vielen getragen. Andererseits reicht hier bereits eine relativ kleine Gruppe aus, um wichtige Anträge zu blockieren. Auf dieser Mitgliederversammlung werden auch zwei Alternativvorschläge behandelt: Ein Modell sieht eine einfache Mehrheit bei Änderungsanträgen vor, ein anderes eine 2/3-Mehrheit, wie sie etwa in Karlsruhe üblich ist.

Ein anderer Antrag eines Mitglieds fordert die Abschaffung des Paragraphen 23. Wieso will der Vorstand an diesem festhalten?

§ 23 sieht vor, dass das Präsidium jederzeit dazu ermächtigt ist, die Lizenzspielerabteilung aus dem Verein auszugliedern. Ohne Vetorecht oder Kontrolle anderer Vereinsorgane. Der Verein betont immer wieder, dass dies nötig wäre, sobald das neue Stadion käme, um professionelle Strukturen aufzubauen.

Selbst wenn dem so ist: Es ist heikel, bei dieser Entscheidung nicht die Mitglieder zu Rate zu ziehen. Die Mitgliedschaft vieler Menschen im 1. FC Saarbrücken gründet sich eben nur auf der Lizenzspielerabteilung – möglich dass viele die eigenmächtige Ausgliederung seitens des Präsidiums als Anlass zum Austritt sehen. Zudem muss die Frage nach der Verhältnismäßigkeit gestellt sein, wenn Satzungsänderungen und Vereinsauflösung nur mit 3/4-Mehrheit möglich sind, aber die ähnlich folgenschwere Entscheidung der Ausgliederung keiner demokratischen Kontrolle unterliegt. Dass die Mitglieder einmal vor fast zehn Jahren für die Aufnahme von § 23 gestimmt haben, darf als Argument nicht gelten.

Was ist sonst noch wichtig?

Die Aussprache zu den Berichten der einzelnen Abteilungen und Gremien. Hier haben Mitglieder das Recht, Fragen zu stellen. Eine Gelegenheit, die sich niemand entgehen lassen sollte!

Wir sehen uns am Donnerstag!

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