Die Erkenntnisse zum guten Spiel

Das letzte Spiel der Hinrunde – es war sicher eines der besten. Ob es „das Beste“ war? Eine undankbare Frage, denn den Superlativ hat die BILD-Zeitung als Stilmittel schon abgenutzt. Und da waren noch andere Spiele, etwa das Unentschieden gegen Offenbach, in dem der 1. FC Saarbrücken zumindest eine Halbzeit brillierte. Ein wenig enthusiastischer als das nicht immer zielsichere Portal „liga3-online.de“ darf ich dennoch schreiben. Dieses fragte nämlich angesichts des Ergebnisses 1. FC Saarbrücken – Hallescher FC 5:0 einfach nur via Facebook: War der Sieg verdient?

Nach Hinweisen fleißiger Social-Networker wurde korrigiert: Was lief beim Halleschen FC am Samstag schief? Die Umkehrfrage ist nicht minder offensichtlich zu beantworten: Alles. Das fing an bei Abwehrspielern, die fast schon einen ständigen Sicherheitsabstand zu Marcel Ziemer und Sven Sökler hielten, ging weiter zu misslungenen Abseitsfallen und verschwindend geringen Angriffsbemühungen. Zur Belohnung gab es nach Abpfiff eine Diskussion mit den mitgereisten Fans.

Ein Bus aus Halle sorgte im Übrigen für den wohl skurrilsten Gästeauftritt seit vielen Jahren im C-Block (womöglich seit dem Spiel Kutzhof – Mönchengladbach im DFB-Pokal 2005). In Halbzeit eins war dieser Bus, vornehmlich Ultras an Bord, noch nicht am Ort seiner Bestimmung, dem Ludwigspark, angekommen. Laut Presseberichten hatten die Mitfahrenden wohl rechtsradikale Parolen gegröhlt und dem Busfahrer eine Bierdusche verpasst. Frei nach dem Sprichwort, „die Hand, die einen zum Stadion lenkt, überkippt man nicht mit Plörre“, verweigerte der Chauffeur anschließend den Dienst und rief die Polizei. Und die sorgte letztlich für etwas Verspätung. Richtig kurios wurde es, als die besagte Reisegruppe bereits nach 20 gespielten Minuten in Halbzeit zwei wieder Fahnen und Banner einpackte und angesichts des fünften Gegentreffers den Rest des Spiels außerhalb des Blocks verbrachte. Dabei mussten sie ja immerhin nur zwei von fünf Gegentreffern mit eigenen Augen ansehen. Sei’s drum.

Bleiben die Erkenntnisse zum guten Spiel aus Sicht des 1. FC Saarbrücken:

– Der Schluss „Hohes Ergebnis = schlechter Gegner“ liegt nahe. Aber davon sollte sich niemand nicht täuschen lassen, denn den schlechten Gegner muss man erst einmal schlagen. Und eben das ist dem FCS nicht immer in dieser Saison gelungen (Stichwort: Aachen).

– Sicher würde der FCS nicht immer 5:0 gewinnen, wenn die Topbesetzung im Mittelfeld – Marius Laux, Sven Sökler und Manuel Stiefler – plus Sturmspitze Marcel Ziemer auf dem Platz stünde. Im Spiel gegen Halle war dies so zum ersten Mal in dieser Drittligasaison zu sehen und gleich wirkte die Offensive viel dynamischer, abwechslungsreicher und vor allen Dingen unberechenbar. Mit etwas weniger Verletzungspech hätte man das auch schon früher in der Saison gesehen.

– Die Rotation trägt – ob die Luginger-Gegner es so wollen oder nicht – ihre Früchte. Tim Knipping, zu Saisonbeginn nicht drittligareif, hat seine hart erarbeitete Chance auf den Platz in der ersten Mannschaft genutzt und schafft so eine Konkurrenzsituation, die der Kaderverbesserung dient. Auch Lukas Kohler, der aus dem Mittelfeld rausrotiert wurde und dafür Nicolas Jüllich als Rechtsverteidiger ersetzte, spielte gut und erhöht damit den Druck auf Konkurrenz auf dieser Position.

– Die Torwartposition. Gegen Homburg hielt Benedikt Fernandez zweimal überragend, sonst fiel er nicht groß auf. Gegen Halle erinnere ich mich schwerlich an einen Torschuss, der auf den FCS-Kasten kam. Und genau deswegen halte ich die Diskussion, Fernandez zum Stammkeeper zu befördern, vermessen. Aus psychologischer Sicht ist ein zweiter Torwartwechsel innerhalb der Saison fatal und untergräbt Jürgen Lugingers Autorität erheblich. Zudem fehlen nach zwei Spielen ohne wirkliche Prüfung für Fernandez auch die Sachargumente für den Wechsel. Herbeizitiert werden dann immer die „genauen Abschläge“ – wobei ich hier mal die Frage stelle: Wundert es wirklich, wenn ein Gegner wie Halle bei langen Bällen vom Torwart nicht nachsetzt?

– Es ist ein gutes Spiel, aber letztlich auch nur eines von 38 Spielen in einer Saison. Dass es in idealer Sturmbesetzung gut läuft und zudem auch hinten Mal die null steht, darf nicht über zwei große Baustellen im Kader hinweggesehen werden: 1. Der FCS braucht nicht unbedingt einen weiteren Drittligatopstürmer, aber zumindest einen Angreifer, der eine ähnlich gute Spielübersicht wie Marcel Ziemer hat. 2. Falls Pascal Pellowski in dieser Saison nicht mehr fit wird, muss auch ein weiterer Abwehrmann her.

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