Bis zur Belastungsgrenze

Stehen wie in den 70ern

Fan A: „Unn, was sahschde?“
Fan B: „2:2.“
Fan A: „0:3, tut mir leid, awwa isso.“
Fan C: „1500“
Fan A: „Ich menn’s Ergebnis, nitt die Zuschauerzahl.“

So hören sich üblicherweise Gespräche im Ludwigspark mittlerweile an. Es sagt viel darüber aus, was die Anhänger des 1. FC Saarbrücken von ihrem Verein erwarten. Und wie wenig sie ihm mitunter zutrauen. Und natürlich über das aktuelle Schmuddelwetter. Vielleicht wollen wir uns auch nur gegenseitig daran erinnern, dass uns eigentlich purer Masochismus in diesen Ludwigspark geleitet.

So auch beim Gastspiel des SV Wehen-Wiesbaden. Die Hessen reisten mit der Hypothek an, die Unentschiedenkönige der Liga zu sein. Also lag wohl auch nichts näher, als auf ein frustrierendes Unentschieden zu tippen, selbst wenn man sich ein wenig mehr erhoffen wollte. Auch wenn sich diese Hoffnung doch jeder realistischen Grundlage entbehrte.

Drei Minuten waren gespielt, da hatte Janjic schon nach desolater Leistung der FCS-Abwehr die Gästeführung erzielt. Kurz darauf Marcel Ziemer mit einem Kopfball, vermutlich der Ball in vollem Umfang hinter der Linie. Pfiffe gegen den Schiedsrichter. Kurz darauf ein nicht gegebener Elfer für Wehen, falls es Pfiffe gab, hätte die eh keiner hören wollen. 17 Minuten waren gespielt, da leistete sich Torwart Michael Müller den Fehlgriff, der zum 0:2 führen sollte. Spätestens jetzt war die Schmerzgrenze für den Tag erreicht. Pfiffe gegen Luginger, Menschen, die nach Hause gingen.

Was dann passiert ist, hab ich so auch bislang eher selten gesehen. Der FCS zeigte das, was die schärfsten Luginger-Kritiker ihm immer wieder absprechen: Ein Aufbäumen. 1:2 nach einem abgefälschten Sökler-Freistoß, 2:2 durch Ziemer. Welchen FCS haben wir da wieder einmal gesehen? Bevor ich tiefer über die Frage nachdenken konnte, sah ich mit meinen Mitstadiongängern, wie Schiedsrichter Florian Steinberg aus Korntal eine Grätsche von hinten im Fünfmeterraum gegen Kevin Maek nicht ahndete. Da war sie wieder, die Schmerzensgrenze. Und als wäre das alles nicht genug gewesen, ging der SVWW vor Ende der ersten Hälfte noch einmal in Führung. 2:3.

Um es vorweg zu nehmen: Der FCS kam noch einmal zum 3:3-Ausgleich durch Kruse, bei einsetzendem Regen. Ein Punkt ist ein Punkt, die Mannschaft hat gekämpft und für den Trainer gespielt. Und doch sitzt der beste Torwart auf der Bank, die Abwehr wurde falsch zusammengekauft, es läuft halt nicht mehr unter Luginger. Für den neutralen Zuschauer war das 3:3 des 1. FC Saarbrücken gegen den SV Wehen-Wiesbaden vor allem in der ersten Halbzeit sehr große Fußballunterhaltung. Für uns Fans war es ein Test an unsere Belastungsgrenzen. Ein Spiel, bei dem man sich hinterher fragen muss, wie ernst man sein eigenes Fantum noch nimmt. Die Antwort hab ich natürlich nicht, aber es geht trotzdem weiter.

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