Zitat der Woche (3)

Blick über den Tellerrand. Ich weiß, wie ausgelutscht sich diese Phrase für Besucher dieses Blogs anhören muss. Aber es gibt ja auch die Möglichkeit in andere, genauso lesenswerte Blogs hineinzuschauen. Neunkirchen hat etwa von einem „Zugezogenen“ das längst überfällige eigene Fanblog „Stahlwerk NK“ bekommen. Dort schreibt Nicky über die jüngste Niederlage der Schwarz-Weißen gegen Salmrohr und das anschließende, bemerkenswerte Zitat von Dieter Ferner.

“So spielt eine Mannschaft, die keinen Bock mehr hat, oder eine Mannschaft, die keine Lust mehr hat, mit dem zusammenzuarbeiten, der dafür verantwortlich ist”
Dieter Ferner

Das mag erst einmal wenig mit dem 1. FC Saarbrücken zu tun haben. Aber ich brauch jetzt wohl nicht aufzuzählen, wie viele Gründe es gibt, warum eine Aussage von Dieter Ferner auch jetzt noch ein Zitat mit FCS-Relevanz ist. Auch wo erst jetzt Trainer von Borussia Neunkirchen ist. Und es wohl vorerst noch bleiben wird.

Wer ist Dieter Ferner für uns Saarbrücker?

Für ältere Fans war Dieter Ferner erst einmal ein Torwart, ein recht guter, wenngleich er nicht von vielen immer als der beste FCS-Torwart aller Zeiten gesehen wurde. Da waren ja auch noch Namen wie Erwin Strempel, der Lothringer Camillo Fischbach, Volker Danner, der Elferheld Carsten Hallmann. Ein guter Torwart, aber nicht der unumstritten beste aller Zeiten.

Dann war Ferner in den 90ern irgendwann der Trainer des 1. FC Saarbrücken II. Von Oberligakennern als einer der besten seiner Zunft angesehen. Von Ultras oft bei Amateurspielen schon (vielleicht zu früh, aber hellseherisch) als Heiland gepriesen. Manche Sportfeldgucker mochten Ferners mürrische Art nie, manche warfen ihm vor, Talente kaputt zu machen. Ferner stieg auch in die Verbandsliga ab und ging schließlich 2005 weg vom FCS.

Über den Umweg Kutzhof und Friedrichsthal kam Ferner dann 2008 zurück zum 1. FC Saarbrücken. Mit zwei Aufstiegen in Folge erwarb er sich – und meiner Meinung nach erst dann endgültig – den Legendenstatus. Als Spieler und Trainer beim 1. FC Saarbrücken erfolgreich zu sein, hatte vor ihm noch keiner in der Art geschafft. Er wurde in der 3. Liga zum Sportdirektor, da ihm die Lizenz als Fußballtrainer fehlt. 2012 verließ er den Verein dann überraschend und in Begleitung so mancher Gerüchte. Angeblich hätten Kräfte im Präsidium seinen Abgang forciert.

Wer ist Dieter Ferner in Neunkirchen?

Das war jetzt nur ein kurzes Stück Geschichte, um den Status von Ferner für Saarbrücken zu verdeutlichen. Stammleser hätten das getrost überspringen können. Doch was bedeutet sein Neunkirchen-Engagement für uns? Nicky äußerte ja schon frühe Bedenken und vermutete, dass Ferner vor Ablauf des Zweijahresvertrags die Brocken hinwirft. Und derzeit läuft alles darauf hinaus, dass Dieter Ferner nicht einmal das Jahr 2013 in Neunkirchen erlebt.

Doch nun wieder der Schwenk zurück: Warum überhaupt Neunkirchen? Ferner begründete dies, dass der Wechsel in die Hüttenstadt der einzig unverfängliche innerhalb des Saarlandes sei. Das mag angesichts der Rivalität mit Homburg stimmen. Aber was hätte objektiv gegen Elversberg gesprochen? Es gibt keine wirklich tiefgründige Rivalität mit der Holzertruppe. Ich persönlich glaube, dass Ferner mit einem Engagement in Elversberg viel eher sein Saarbrücker Denkmal beschädigt hätte: Elversberg klopft in dieser Saison an das Tor zur 3. Liga. Allein die Elversberger wieder auf eine Stufe mit dem FCS zu bringen, was für viele FCS-Fans schon in der Regionalliga als Demütigung empfunden wurde, hätte das geschafft.

Also warum Neunkirchen? Die Voraussetzungen beim Ex-Bundesligisten waren denkbar undankbar: Der Verein hatte gerade mit Paul Linz einen ehemaligen Trierer Erfolgstrainer verschlissen und danach nicht das Vertrauen gehabt, einen Nachfolger aus dem eigenen Hause aufzubauen (Adetunji Adeyemi). Zudem macht die immer wieder angespannte Finanzlage den Neunkirchern zu schaffen. Klar dass Dieter Ferner in einer solchen Situation nicht nur als Heilsbringer angesehen wird, sondern schon direkt in dieser Rolle verpflichtet wird.

Und jetzt bleibt der Erfolg im ersten seiner beiden Vertragsjahre nun aus, Neunkirchen steht zwar nicht am Rande des Abstiegs, aber eben auch nicht auf den erhofften vorderen Plätzen. Das reicht aber eben bei dieser Vorgeschichte aus, um im Umfeld und bei Spielern für schlechte Laune zu sorgen.

Was bedeutet das Neunkircher Heilandsdilemma für uns?

Einige FCS-Fans versuchen mit dem sich anbahnenden Scheitern Ferners schon jetzt seinen Status als Legende in Frage zu stellen und selbst ihm Teile der verkorksten Einkaufspolitik des Sommers in die Schuhe zu schieben. Sieht man ja grad in Neunkirchen, wie unfähig Ferner ist. Natürlich blanker Unsinn. Beide Engagements geschehen unter völlig unterschiedlichen Voraussetzungen. Der Vergleich bietet sich an, ein Gleichsetzen verbietet sich. Wäre Ferner unfähig, wäre der FCS nicht zweimal unter seiner Regie aufgestiegen. Wären seine Transfers schlecht gewesen, hätte der FCS nicht zweimal in der 3. Liga die Klasse gehalten. Inwieweit genau Ferner die aktuellen Transfers zu verantworten hatte, kann auch ich nicht wissen. Man sollte aber bedenken, dass sein Abgang schon seit Winter 2011/12 bekannt war.

Daneben hätte ein Scheitern von Ferner vielleicht noch eine weitere Dimension: Sein Name wäre weiter untrennbar mit dem FCS, und zwar nur dem FCS verbunden. Die FCS-Fans müssten ihn sich künftig nicht mit den Anhängern von Neunkirchen teilen. Ich persönlich könnte zwar gut damit leben, wenn es nicht so käme, kann es mir derzeit aber nicht anders vorstellen.

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