Vorbericht: Ich komm aus Karl-Marx-Stadt, bin ein Verlierer, Baby!

Historisches Logo des FC Karl-Marx-Stadt

Es wäre fast zur Sensation gekommen: Am 31. Spieltag der abgelaufenen Drittligasaison erklomm der Chemnitzer FC den Relegationsplatz. 16 Spiele ohne Niederlage hatte der Aufsteiger aus Sachsen vorzuweisen, bis er dann doch noch kurz vor Saisonende stolperte und sich „nur“ mit dem neunten Platz in der Tabelle zufrieden geben musste. Für einen Aufsteiger, der im Jahr zuvor die schier übermächtigen Roten Bullen aus Leipzig überflügelte, dürfte das aber in Ordnung gehen. Dennoch ist der CFC, kommender Gegner des 1. FC Saarbrücken, das ehemalige Überraschungsteam der Liga – eine Bürde für die aktuelle Saison.

Seit 2008 heißt der Trainer der Chemnitzer Gerd Schädlich – der Mann, der schon den in Westdeutschland weitgehend unbeachteten FC Erzgebirge Aue in die Zweite Bundesliga hievte. In der Regionalliga Nord, die seinerzeit als stärkste Regionalliga galt, gelang es Schädlich aus dem weit abgestürzten Verein eine schlagkräftige Truppe zu formen, für die es kontinuirlich nach oben ging. Oft bediente sich Chemnitz der Spieler, die bei anderen Ostvereinen ausgemustert wurden: Aue-Legende Jörg Emmerich ging zurück zu seinem alten Trainer, der damals unbekannte Ronny Garbuschewski kam vom heute aufgelösten FC Sachsen Leipzig und der Dresdener Pavel Dobry blühte im Herbst seiner Karriere noch einmal auf.

Sie alle hatten über die Jahre Teil am Chemnitzer Aufschwung – doch auch jeder positive Trend hat im Fußball seinen Preis. Dobry und Emmerich haben inzwischen ihre Karrieren beendet, Garbuschewski wechselte ablösefrei zum Bundesligisten Fortuna Düsseldorf, Selim Aydemir, eine weitere Schlüsselfigur, ging zum VfR Aalen. Schädlich musste in dieser Saison wieder einmal umbauen und konnte durchaus respektable Transfers tätigen – natürlich wieder mit Augenmerk auf der Region. Pierre le Beau kam aus Aue, Maik Kegel aus Dresden und Adrian Mrowiec wurde frisch bei RB Leipzig aussortiert. Etwas aus der Reihe fällt ein ehemaliger FCSler: Christoph Buchner ist nach einem Österreich-Intermezzo zurück in der Dritten Liga.

Dort schlägt sich Chemnitz bislang ein wenig besser als in der Vorsaison, wenngleich es zuletzt bei Heimspielen im Stadion an der Gellertstraße nicht mehr lief. Der letzte Heimsieg gelang am 25. August gegen den SV Wehen-Wiesbaden, seither gab es keinen Dreier mehr in den heimischen vier Wänden. Aber auf die Heimschwäche anderer Mannschaften brauche ich eigentlich in einem Vorbericht zum 1. FC Saarbrücken nicht wirklich einzugehen. Dafür reicht ein Blick in die Heimtabelle der Liga.

„Ich komm aus Karl-Marx-Stadt, bin ein Verlierer, Baby! Original Ostler“, singen die aktuell bundesweit bekanntesten Söhne der Stadt auf ihrer ersten Langspielplatte. Fußball ist bekanntlich kein Platz von Selbstironie, weshalb der geneigte FCS-Fan, selbst wenn er am Freitag in der Saarbrücker Garage diese Worte vernommen haben sollte, gewarnt ist: Chemnitz wird für Jürgen Lugingers Truppe gewiss kein Selbstläufer. Schon gar nicht, wenn Marcel Ziemer wegen eines grippalen Infektes morgen nicht auflaufen kann. Für den 1. FC Saarbrücken wäre gerade ohne den wichtigen Stürmer ein Sieg im Osten von großer symbolischer Bedeutung: Nämlich dass die Spielpause richtig genutzt wurde und auch die zweite Sturmreihe ihre Selbstsicherheit gefunden hat.

Sollte es anders laufen, gibt es in der kommenden Woche den altbekannten Spießrutenlauf für die „Verlierer vom FC“. Ganz unironisch, versteht sich.

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2 Antworten zu Vorbericht: Ich komm aus Karl-Marx-Stadt, bin ein Verlierer, Baby!

  1. Nicky schreibt:

    Gerd Schädlich ist ein absolut unterbewerteter Trainer…vor Aue und Chemnitz war er Trainer in Zwickau die er damals über Jahre in der 2.Liga hielt, mit seiner Entlassung begann der tiefe Fall des FSV…einer der aus ganz wenig sehr viel macht und dabei immer wieder Talente hervorholt.

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