Das Zusätzliche auf dem Spielplan

2009 in Homburg

Ein Wort, das Trainer Jürgen Luginger wie kein zweites um die Ohren gehauen wird, ist das „Bonusspiel“. Dieses benutzte er zum Spiel gegen Schalke 04. Das Spiel im DFB-Pokal sei für ihn eben ein zusätzliches Spiel. Vielen Fans erschien dies abwertend und wohl auch zurecht. Aber auch ich gebe zu: Pokalspiele behandle ich viel zu oft wie Bonusspiele, wie etwas zusätzliches.

In dieser Saison musste der 1. FC Saarbrücken schon zwei Mal im „Totopokal Saar“ ran, früher auch unter dem Namen „Saarlandpokal“ bekannt. Ich war kein einziges Mal vor Ort, hab keinen einzigen Spielbericht im Anschluss geschrieben. Liest man mein Blog regelmäßig, frägt man sich vielleicht: Wo bleibt der Saarlandpokal?

Ich kenne viele Leute, bei denen sind solche Spiele mindestens genauso wichtig wie alle anderen Spiele auch. Und sie haben ja recht: Eine Niederlage und man ist draußen. Weg aus dem Verbandspokal. Und ein Jahr ohne DFB-Pokal. Denn für Drittligisten ist die Teilnahme am „hässlichen Pott“ bekanntermaßen kein Automatismus. Es muss eine Ochsentour her, die vom Charakter her eher den Testspielen vor Saisonbeginn ähnelt. Im besten Falle ist das Volksfestatmosphäre, bei dem ein Dorfverein dankbar ist, viele Zuschauer anzuziehen und den Umsatz des Jahres einstreicht. Im schlechtesten Falle steht man hinter einem Bauzaun, da weltfremde Dörfler Angst vor den „bösen Saarbrückern“ haben.

Oft bin ich nicht beim Saarlandpokal aus recht pragmatischen Gründen: Die Spiele sind werktags an Orten die nicht so einfach per Zug zugänglich sind. Oder ich bin durch die Uni eingeschränkt. Oder – jetzt wird es unschön – ich habe einfach keine Lust. Es erinnert mich zu sehr an Spiele ohne sportlichen Wert. Das mindert die Lust, bei diesen Spielen aufzukreuzen. Auch wenn es sicher gute Gründe gäbe. Auf den Sportplätzen lässt sich ungezwungen von Blockzwängen mal hier und mal da ein interessantes Gespräch führen.

Und nun war vergangenen Samstag Auslosung und was beschert uns die Losfee? Den FC 08 Homburg. Für mich als „Saarlandpokal-Erfolgsfan“ ein echtes Problem: Einerseits ein Gegner, dem man auf gar keinen Fall den Status „besser als ein Dorfverein“ absprechen kann, sogar noch der ostsaarländische Rivale. Andererseits ist das wieder eine Erinnerung an andere Zeiten: Nach zwei Jahren Oberliga war ich eigentlich froh, dass die Spiele nun hinter dem FCS liegen würden. Zeitweise waren die Duelle mit Homburg, wenngleich sie wohl wenig mit den Duellen der späten 80er Jahre zu tun hatten, ein anerkanntes Derby. Ein Tag, auf den man die ganze Schulwoche hinweg brannte. Nun ist es aber eher eine Erinnerung an Tage, als dieses Spiel noch ein Saisonhighlight war. Und das ist schon leicht befremdlich.

Ein latent mit Homburg sympathisierender Arbeitskollege sprach mich letztens darauf an, dass es bei dem aktuellen Höhenflug der Saarvereine in der Regionalliga (auf Elversberg mag das noch zustimmen, auf Homburg weniger) ja vielleicht bald wieder mehr saarländische Drittligisten geben müsse. Und das könne ich als FCS-Fan ja eigentlich auch nur für gut befinden. Ich winkte nur ab. Vermutlich würde ich das nie zugeben. Aber im tiefsten Inneren weiß auch ich, dass es im Grunde der einzige Weg wäre, mich wieder für solche Spiele wie nun in der fünften Runde des Saarlandpokals zu begeistern.

Ärgerlich könnte es dann werden, wenn ich dieses Spiel aufgrund meiner üblichen Saarlandpokal-Abwesenheitsgründe verpassen würde. Selbst wenn es im Moment auch eher was zufällig Zusätzliches auf dem Spielplan ist.

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