Langweilige Spiele sind halt auch mal im Programm

Fahnenschwenker im fast leeren D1. Logischerweise sieht man nicht viel, wenn man sich direkt dahiner stellen muss, statt eine der vielen freien Flächen im Block zu nutzen.

1:2 – Gegentor fünf Minuten vor Abpfiff. Der Gegner sprang wild herum und ich überlegte für einen Moment, ob das gerade ein Abwehrfehler von mir war oder ob ich doch meinen Mitspieler Florian anmeckern sollte. Fünf Minuten später war das Drama beendet und Steffen schloß die Räume des Fanprojektes hinter uns. Wir waren beim Konsolenspiel „FIFA 13“ versackt. Erst 20 Minuten vor Spielbeginn, so spät wie noch nie, stand ich an meinem Stammplatz in der Hintertorkurve, immer noch rechtzeitig, um mir die neue Ausgabe des Saarboteurs zu sichern.

Rings um mich herum überwiegte die Skepsis vor diesem Spiel. Der Tabellenführer zu Gast, im Stadion bestimmt keine 4.500 Zuschauer und selbst der Gästeanhang bei dieser Tabellensituation in eher enttäuschender Menge im C-Block. Und – wie allseits bekannt – mit zwei rivalisierenden Ultragruppen auf Sicherheitsabstand. Man kann sich halt seinen Gegner nie aussuchen, auch wenn das vor Spielbeginn verdächtig nach dem Ausbau der FCS-Heimniederlagenstatistik aussah. Doch das sollte immerhin nicht kampflos geschehen und mit der gleichen Elf wie in Babelsberg war sogar die Außenseiterhoffnung auf Punkte im Park nicht so abwegig.

Zum ersten Mal keimte sie knapp nach Spielbeginn auf. Marius Laux wurde links schön in Szene gesetzt, konnte in die Mitte flanken, wo Marcel Ziemer den aufsetzenden Ball über das Tor donnerte. Ärgerlich, aber bei diesem aufsetzendem Ball nichts ungewöhnliches: Den Ball in so kurzer Zeit genau zu treffen ist schwierig. Aber Schwierigkeiten gab es auch an anderer Stelle. Preußen Münster wirkte wenig agil und ideenreich und spielte sich im Mittelfeld fest. Die einzigen Chancen der Münsteraner waren nur bedingt gefährlich und kamen nur durch Schüsse aus der zweiten Reihe zustande. In der Zwischenzeit stellten wir uns im Block eher hochphilosophie Fragen wie: „Was fummeln Mitarbeiter vom Fernsehen während des Spiels am Tornetz herum?“ Selbst dieses Rätsel ließ sich nicht lösen.

Nach dem Pausentee blieb das Spiel auf dem grünen Rasen ähnlich blass wie die Darbietung aller im Stadion vorhandenen Fanblöcke. Preußen Münster waren keine Bemühungen anzusehen und wenn der Ball mal Richtung FCS-Tor lief, war oft bei Tim Kruse und Marc Lerandy Schlussstation. Die beiden oft kritisierten Innenverteidiger lieferten eine solide Leistung ab und Kruse verstärkte meinen ganz persönlichen Eindruck, dass er in die Abwehrreihe gehört.

Auf der Gegenseite schien Preußen-Torwart Masuch so beschäftigungslos, dass sein Trikot mutmaßlich nach Spielende direkt zurück an den Kleiderhaken gehangen werden konnte. Das lag nicht an FCS-Stürmer Marcel Ziemer, der als Ein-Mann-Kraftpaket die Preußen-Abwehr beschäftigte. Es lag viel eher an einem nicht ganz so gutem Tag des Mittelfelds. Lukas Kohlers Vorwärtsdrang schien zwar ungebrochen, aber Marius Laux war – wie in den vergangenen Wochen oft – eher schwach. Sobald Manuel Stiefler wieder fit ist, muss sich eher Laux Sorgen um seinen Stammplatz machen als der zurzeit bessere Kohler. Auch Sven Sökler, gerne und zurecht in der Presse als „Saarbrückens Bester“ gefeiert, war eben diesmal nicht Saarbrückens Bester.

Das war eindeutig Torwart Michael Müller. Der gegen Unterhaching noch patzende FCS-Torwart zeigte gegen Münster eine Eigenschaft, die Enver Marina in dieser Saison (mitsamt Stammplatz) verloren ging: Die Punkte, oder halt wie gestern den Punkt, festhalten. Allein Müllers hoher Konzentration (und Münsteraner Pech beim allerletzten Torschuss des Spiels) ist das zweite Heimunentschieden der Saison zu verdanken. Ein eher langweiliges Spiel, das nicht in die FCS-Historie als unterhaltsamer Fußballnachmittag eingehen wird. Aber damit kann ein FCS-Fan in dieser Saison auch mal leben und für Unterhaltung dann eher zu Hause die Konsole anwerfen.

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