Vorbericht: Ein harter Brocken

Heimspiele sind in dieser Saison bekanntlich nicht die Stärke des 1. FC Saarbrücken. So ist es fast schicksalhaft, dass vor der erneuten Länderspielpause der Tabellenführer der 3. Liga seine Zelte vor dem Ludwigspark aufschlägt und auf Punktgewinn hofft: Preußen Münster ist zu Gast. Ein interessanter Gegner, gegen den ein Sieg fast eine kleine Überraschung wäre.

Schon allein aus historischer Hinsicht scheint ein Aufeinandertreffen beider Klubs im Jahr 2012 ein Glücksfall für alle Vorberichtsschreiber wie mich (oder Horst Fried), denen es an Statistiken liegt. In der allerersten Bundesligasaison trafen beide Mannschaften bereits aufeinander. Es war der 16. November 1963, der FCS hatte bis dato noch keinen Sieg in der neuen Liga eingefahren und war Tabellenletzter, Münster war immerhin in der Tabelle schon auf Platz zwölf vorgedrungen. Am Ende trennten sich beide vor knapp 10.000 Zuschauern in der höchsten deutschen Spielklasse mit einem 1:1-Unentschieden. Beide Mannschaften stiegen zum Saisonende auch gleich ab.

Schon seit einige Jahren trifft der FCS immer wieder auf Münster. 2009 war es in der Regionalliga West, wo der FCS am vierten Spieltag durch einen Doppelpack von Manu Zeitz triumphierte und am Ende auch aufstieg. Münster zog ein Jahr später nach und in der vergangenen Spielzeit sah man sich in der 3. Liga wieder. Ein kurioses Spiel, bei dem der FCS mit neun Mann einen Punkt über die Zeit rettete (2:2). Und 2012? Münster reist als Favorit in den Ludwigspark und könnte am Saisonende – vorausgesetzt die aktuelle Form hält an, als Aufsteiger in die 2. Liga zurückkehren. Dann nach 22 Jahren Pause.

Der Erfolg der Preußen kommt nicht von ungefähr. Trainer ist seit 2011 Pawel Dotschew, der schon den SC Paderborn in die 2. Bundesliga hievte und dort als zum „Jahrhundertrainer“ gewählt wurde. Diesem Mann gelangen ein paar Transfers, die es in sich haben. Matthew Taylor, zwar kein Eric Wynalda oder Joe-Max Moore, hat schon sieben Tore erzielt und kam aus Paderborn. Dominik Schmidt, der derzeit von einem Kreuzbandriss gestoppt wird, kam aus Frankfurt. Der überraschendste und erfolgreichste Neuzugang heißt aber Amaury Bischoff. Ältere werden sich sicher an die Geschichte des im elsässischen Colmar geborenen Portugiesen erinnern: 2008 sorgte Bischoff für Furore als er aus der zweiten Mannschaft von Werder Bremen zum Arsenal Football Club nach London wechselte. Auf mehr als 27 Minuten Premier League kam Bischoff nicht, nach einem Jahr wechselte er nach Portugal und spielte dort bei einigen hierzulande eher unbekannten Vereinen, bis er 2012 überraschend in Münster auftauchte und die 3. Liga durcheinanderwirbelt.

Preußen Münster, die mit Clément Halet auch einen Ex-Saarbrücker im Team haben, besitzen im Grunde genommen keinen drittligatauglichen Kader. Wer solche Transfers tätigt und auch mitten in der Saison einen Addy-Waku Menga verpflichtet, hat als Fernziel nur die 2. Liga im Auge. Daran sollte auch der 1. FC Saarbrücken denken, wenn er am Samstag um 14 Uhr den Rasen des Ludwigsparks betritt:

  1. Selbst wenn es Mannschaften mit dem Ziel Aufstieg mittlerweile bloß nie mehr öffentlich zugeben würden: Bei vermeintlich einfachen Gegnern neigen eben diese Teams zu kleinen Unachtsamkeiten, weil sie den „Underdog“ nicht ernst genug nehmen.
  2. Gegen Unterhaching zeigte der FCS, dass er stärkere Mannschaften durchaus spielerisch dominieren kann und diese Überlegenheit halt nur mal in eine bessere Chancenausbeute umlegen müsste.
  3. Ein Sieg jetzt am Wochenende gegen den Tabellenführer würde in die Länderspielpause mitgenommen, könnte für ein wenig Euphorie und Abebben der Kritik im Umfeld sorgen.
  4. Und nicht zuletzt wär es auch ein ziemlich fetter Bonus für das eigene Selbstwertgefühl.

Münster wird der erwartete harte Brocken, aber in dieser Konstellation sollte alleine die Aussicht, was ein Sieg in diesem Falle bedeutet, angemessene Motivation sein.

Der Gegnerlink zum Reinlesen: www.preussenfieber.de

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