Der FCS und Social Media

Feiertag mal wieder und es stellt sich die Frage, was ich mit dem freien Tage anfange. Mal wieder das Blog füllen – doch ein „zapping“ ist am nachrichtenarmen Feiertag wohl weniger sinnvoll und einen Vorbericht gibt es erst Donnerstag oder Freitag. Also habe ich mich mal einem eher allgemeinen Thema gewidmet, dass ich – möglichst vorurteilsfrei – abhandeln will.

Screenshot: Twitter.com

Social Media ist so eines der Schlagwörter im Internetzeitalter, die selbst von vermeintlichen Experten immer wieder in der Presse verwendet werden, ohne dass sich irgendjemand überhaupt die Frage stellt: Was ist das eigentlich? Medien haben wir ja bereits seit Anbeginn der Menschheit, ihre Form haben sich mit dem technologischen Fortschritt ständig verändert. Entscheidend ist also „Social“. Hier befinden wir uns auf der Ebene des Austausches. Will heißen: Social Media ist nicht einfach nur, dass ich meiner Firma einen Twitter-Account und eine Facebook-Seite anlege, sondern dass ich auch einen gewissen Austausch mit meinen Fans und Nutzern pflege.

Beim 1. FC Saarbrücken heißt es oft, dass Marketing läge brach, niemand kümmere sich ausreichend darum. Auch der neue Marketing-Chef Sebastian Pini war kaum im Amt, da gab es schon Kritik (mal mehr, mal weniger berechtigt) an seiner Person. Ich will in diesem Text mal ohne Vorurteile schauen, wo beim FCS der Versuch des Einsatzes von Social Media begangen wird, um am Ende zu einem Fazit zu gelangen.

Wozu das Ganze?

Manch einer wird jetzt sagen: Das ist doch alles überflüssiges Zeugs. Mag sogar dann stimmen, wenn es Leute gibt, die Social Media und dem Internet absolut nichts abgewinnen können. Diese Meinung ist auch zu respektieren, da viele Menschen sich einfach am Leben im Stadion orientieren. Allerdings ist die virtuelle Welt auch Teil des alltäglichen Lebens vieler Menschen geworden – die erste Informationsquelle zu Neuigkeiten beim FCS ist längst nicht mehr die Zeitung oder der SMS-Ticker, sondern das Internet. Und: Social Media ist für Wirtschaftsunternehmen wichtiger Teil ihrer Imagepflege. Außerdem ist es auch ein wichtiger Quell an Information – was mögen meine Kunden, was nicht, wo gibt es Probleme? Social Media lässt mit möglichst gerinen Kosten Anbieter und Nutzer enger zusammenwachsen und fördert den gegenseitigen Austausch.

Welche Medien sind Social Media?

Social Media wird oft in ein Spannungsverhältnis zu klassischen Medien, wie etwa der Zeitung, dem Fernsehen oder dem Radio gesetzt. Der offensichtlichste Unterschied: Klassische Medien stehen nur im Sender-Empfänger-Verhältnis zu den Nutzern. Die Stadionzeitung des 1. FC Saarbrücken ist also ein traditionelles Medium: Es erscheint zu jedem Heimspiel, der FCS verbreitet Information, aber der Leser kann eben nur Lesen und nicht über das FC-Magazin in Echtzeitkommunikation mit dem FCS treten. Bei Social Media besteht zumindest die Möglichkeit, dass Anbieter und Nutzer sich über Inhalte austauschen können. Die Kommentarfunktion erlaubt dies z.B. bei Facebook, in Webwikis werden von Nutzern in Zusammenarbeit Artikel geschrieben. Aber auch Podcasts, auf den ersten Blick nur eine digitale Reproduktion des klassischen Radios, gehören zu Social Media. Im Folgenden beschränke ich mich auf die wichtigsten digitalen Angebote des 1. FC Saarbrücken, seien es vom Verein betreute Seiten in sozialen Netzwerken oder auf dem eigenen Server platzierte Medien.

Webseite http://www.fc-saarbruecken.de

Die Webseite des 1. FC Saarbrücken stellt die Eingangstür zu den Social-Media-Aktivitäten des Vereins dar. Newsfeed, Facebook-Seite und Twitter-Account sind prominent verlinkt, aber nicht aktiv in die Seite eingebunden. Relativ problemlos lässt sich die Registrierung beim FCS-Fanradio abschließen, diese ist aber nicht identisch mit der Registrierung für das offizielle Vereinsforum. Man muss sich also, um beides zu nutzen, mehrmals registrieren. Newsartikel lassen sich nicht unter dem Artikel kommentieren, aber über soziale Netzwerke teilen und versenden. Die Facebook-Seite der Fanbetreuung ist nur schwer auffindbar verlinkt (darauf kommen wir später zurück), eine Verlinkung zur Facebook-Seite des Fanradios fehlt.

Vereinsforum

Das offizielle Vereinsforum ist über die Vereinshomepage einfach zu erreichen und steht registrierten Benutzern offen. Das sind an der Zahl 1513 Nutzer, aber davon ist nur ein Bruchteil regelmäßig aktiv. Unregistrierte Nutzer können in den meisten Bereichen alle Threads lesen, gesperrt sind für diese nur die Diskussionsfäden zu aktuellen Spielern. Mit einem Schnitt von knapp 250 Beiträgen pro Tagen wird recht rege diskutiert, vor allem an Spieltagen wird das Forum zum „Ersatzchat“. Die Moderatoren bemühen sich um Interviews mit Spielern und Offiziellen, die User haben im Vorfeld Einfluss darauf, welche Fragen gestellt werden. Das SR 1 Stadionradio meldet sich relativ häufig im Forum zu Wort und diskutiert aktiv mit Nutzern und nimmt Verbesserungsvorschläge und Musikwünsche entgegen.

Fanradio

Das Fanradio überträgt zu allen Heim- und Auswärtsspielen in der 3. Liga live von der Partie, bietet zudem Interviews, Vorberichterstattung und zu Heimspielen auch oft noch die Pressekonferenz in Anschluss an das Spiel. Bei vielen Nutzern kann es zu Problemen mit der Technik kommen. Ein Chatfenster ist in den Fanradioplayer nicht integriert. Das Fanradio ist auch bei Facebook vertreten und informiert dort meist über den Sendebeginn. Grüße, die über das Fanradio ausgestrahlt werden sollen, sowie Feedback, nimmt die Fanbetreuung per E-Mail (fanbetreuung – at – gmx.de) entgegen.

Facebook 1. FC Saarbrücken

Der 1. FC Saarbrücken betreibt eine eigene Facebook-Seite, die derzeit 7717 „Gefällt mir“-Klicks auf sich vereint. Neben dem Verlinken aktueller Artikel der offiziellen Vereinshomepage gibt es oft an Spieltagen Statusmeldungen über den Spielstand oder Aufstellungen der Mannschaften. Mit dem Erstellen von Events und dem Hochladen von Bildern und Spielplakaten werden die einzelnen Ligaspiele beworben. Auf Kommentare und Pinnwandeinträge antwortet der 1. FC Saarbrücken bei Facebook bislang nicht. Hinweise oder Verlinkungen auf verwandte Facebook-Seiten, etwa der des FCS-Fanradios oder der Fanbetreuung, sind unauffindbar.

Facebook FCS-Fanbetreuung

Die Facebook-Seite der FCS-Fanbetreuung wird von 725 Nutzern „geliket“, was knapp einem Zehntel der offiziellen Seite entspricht. Zu jedem Spiel gibt es eine Bildergalerie, es werden Verlosungen über Facebook veranstaltet, man kann sich für das Halbzeitspiel bewerben und es wird über Fanbusse oder andere Aktionen informiert – all dies lässt die offizielle Facebook-Seite vermissen. Die Seite erhält deutlich weniger Pinnwandeinträge oder Fragen per Kommentar als die offizielle Seite, öffentlich wird auch hier nicht geantwortet.

Twitter

Der Twitter-Account des FCS hat fast 1000 Follower, folgt selbst aber insgesamt null Twitteren. Interaktion findet keine statt, auf Twitter postet der FCS nur das, was schon als Artikel auf der offiziellen Seite zu finden ist oder setzt einen Link auf Facebook-Updates – der Verdacht liegt nahe, dass hier einfach Facebook- und Twitter-Account miteinander verbunden wurde. Ein kürzlich erst angelegter Account der FCS-Fanbetreuung hat erst drei Follower, folgt aber selbst schon vier anderen Twitteren.

Analyse

Die Nutzung von Social Media durch den 1. FC Saarbrücken ist bei weitem nicht so schlecht, wie sie auf den ersten Augenblick aussehen mag. Wer den Weg über E-Mail oder die Fanbetreuung geht oder sich im offiziellen Vereinsforum des 1. FC Saarbrücken anmeldet, hat am ehesten den Chance auf Austausch. Im Falle der Aktivität des Stadionradios im Forum, hat der Fan sogar die Aussicht, mit diesem Austausch Aufwirkungen auf etwas sehr greifbares zu erwirken: Das Stadionradio.

Desaströs sieht es allerdings dort aus, wo viele Menschen die Social-Media-Dienste des FCS in Anspruch nehmen wollen: Facebook. Die Seite hätte z.B. nach den Organisationspanne beim Schalke-Spiel zur „Krisenkommunikation“ genutzt werden können. Stattdessen bekamen Pinnwandeinträge erzürnter Stadionbesucher nur Schweigen als Antwort – was sie noch mehr enttäuscht haben dürfte. Auch bei Twitter hat der Verein ein eher traditionelles Medienverständnis und setzt viele Links, die wohl eher unnötig sind, wenn man schon die Facebook-Seite des Vereins abonniert hat.

Welche Änderungen könnte der Verein ausprobieren?

Die Betreuung von Seiten in sozialen Netzwerken ist eine Frage von Zeit und Aufwand. Eine Facebook-Seite und ein Twitter-Account müssen gepflegt werden. Lässt man sich nicht auf den Austausch sein und bietet nur die eigenen Informationen feil, ist der Aufwand äußerst gering. Sobald man sich auf Diskussionen und Fragen einlässt, muss aber eine fast ständige Erreichbarkeit vorliegen. Das erhöht den Aufwand, sorgt aber für erhöhtes Ansehen bei Facebook- und Twitter-Nutzern.

Hat der FCS diese Kapazitäten? Das muss bezweifelt werden, da derzeit laut FCS-Homepage nur Christoph Heiser den Bereich „Medien“ betreut. Wie groß der aktuelle Arbeitsaufwand des Pressesprechers ist, liegt für mich im Bereich der Spekulation und soll keine Rolle spielen. Nimmt man an, dass weitere Kapazitäten für soziale Netzwerke fehlen, so wäre die logische Schlussfolgerungen: Der FCS braucht einen Mitarbeiter zur Betreuung von Facebook- und Twitter-Seite.

Aber auch diese Schlussfolgerung alleine bringt es nicht – der FCS ist Drittligist und es gibt einen Problemdruck, Social Media beim FCS zu verbessern. Die Leute akzeptieren es derzeit und würden wohl erst ab der 2. Bundesliga nach mehr Angeboten oder einer besserer Betreuung aktueller Angebote verlangen. Also will ich einfach meine Analyse mal mit einer Frage abschließen: Wieso legt man nicht z.B. die Facebook-Seite des FCS in die Hände der Fanbetreuung? Zum einen würden die Aktionen der Fanbetreuung dann mit einem Schlage zehnmal so viele Nutzer erreichen, zum anderen wäre die Seite damit schon interaktiver.

Das ist nur eine Idee von vielen Möglichkeiten, den Auftritt des 1. FC Saarbrücken im Netz zu verbessern. Dieser ist gewiss nicht desaströs – aber auch keine Konkurrenz für private Fanangebote wie ludwigspark.de oder die Smartphone-App „Molschder„.

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2 Antworten zu Der FCS und Social Media

  1. Markus schreibt:

    Danke für das Zusammentragen der Social Media Aktivitäten (und der noch zu nutzenden Chancen auf diesem Gebiet) des 1. FC Saarbrücken.

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