Vorbericht: Babelsberg oder nichts?

Wenn am Samstag um 14.00 Uhr die Spieler des 1. FC Saarbrücken den Rasen des Karl-Liebknecht-Stadions in Babelsberg betreten, geht es für Jürgen Luginger vermutlich 90 Minuten lang um seinen Job. Und am Ende könnte es wieder einmal Babelsberg sein, wo der FCS zumindest für eine Woche lang Kritik größtenteils verstummen lässt.

Der 27. November 2010. Der FCS stand auf Tabellenplatz 18 der 3. Liga mit gerade einmal 15 Punkten aus 17 Spielen. Das an sich wäre aus Sicht eines Aufstiegers noch als normaler Lauf der Dinge durchgegangen, hätte es nicht extreme Leistungsschwankungen gegeben. In Jena gewann Blau-Schwarz mit dem bis heute höchsten Drittligasieg 7:0, beim späteren Aufsteiger Rostock verlor der FCS knapp und unglücklich 1:2, zu Hause gegen Sandhausen gab es einen souveränen 3:1-Sieg. Aber die Leistung war eben unbeständig mit vielen vermeidbaren Unentschieden. Und der 0:2-Niederlage bei Bremen II, nach der Jürgen Luginger als Trainer erstmals angezählt war. Es kam also zu einem ersten Entscheidungsspiel für den Ferner-Erben – und der FCS gewann am 27. November 2010 im Karl-Liebknecht-Stadion mit 2:0 durch Tore von Marcus Mann und Maik Schutzbach.

It’s all just a little bit of history repeating? Der FCS hat in drei Spielen im „KarLi“ gewonnen, was zur Folge hat, dass auch diesmal alle Welt von einem Punktegewinn ausgeht. Schließlich ist der FCS 2012/13 eine Auswärtsmannschaft. So einfach wird es diesmal aber dann doch nicht. Der SV Babelsberg 03, letztes Jahr mit dem Klassenerhalt in letzter Sekunde, ist zwar erneut schlecht in eine Saison gestartet, hat aber anscheinend zu Heimstärke gefunden – eine Eigenschaft, die dem FCS fehlt. Die von Christian Benbennek seit Mai 2012 trainierte Mannschaft hat die letzten beide Heimspiele gewonnen – die Gegner hießen Osnabrück und Aachen. Gewarnt sollte der FCS schon etwas sein.

Reden müssen wir aber auch, ob der FCS gewinnt oder nicht – denn irgendwelche Gründe muss es ja dafür geben, dass sich die Blau-Schwarzen derzeit unbeständig zeigen. Auf der Pressekonferenz vor dem zwölften Spieltag sagte Jürgen Luginger: „Wir müssen uns kompakter und geordneter präsentieren.“ Das ist erst einmal richtig. Die Frage ist, ob Jürgen Lugingers permanente Rotation wirklich dazu beiträgt, Ordnung in die Mannschaft zu bringen. Ich selbst habe es vor einigen Wochen als Vorteil gepriesen, dass der FCS in der Mannschaft einige „Allrounder“ wie Lukas Kohler und andere variable Spieler wie Tim Stegerer oder Tim Kruse hat. Das ist auch zwei Gründen auch nötig: Zum einen sind taktische Änderungen unumgehbar, wenn der Gegner das eigene Konzept durchschaut hat. Guten Mannschaften fällt auch immer ein alternativer Weg zum Tor ein. Zum anderen ist es gerade bei einem kleinen Kader überlebensnotwendig, wenn Schlüsselspieler ausfallen.

Wo liegt also aktuell der Fehler beim 1. FC Saarbrücken? Ein Fehler ist gewiss die Rotation ohne Not, die auf einigen Positionen vorgenommen wurde. Tim Kruse machte seine Sache als Innenverteidiger zu Saisonbeginn gut und wurde, als es noch nicht die Verletzungsmisere im Mittelfeld gab, einfach wieder auf die Doppelsechs gestellt. Auch dass Adam Straith als Linksverteidiger aufgestellt wurde – eine Position, auf der er eher hilflos wirkte – darf als taktischer Fehler Lugingers angesehen werden.

Ein anderer Fehler ist das Festhalten an einigen Stammspielern. Während rund herum munter rotiert wird, haben zum Beispiel Kapitän Marc Lerandy und Marius Laux immer gespielt bzw. immer gespielt, wenn verletzungsfrei. Beide sind unbestrittenermaßen in Topform wichtige Stützen innerhalb der Mannschaft – aber derzeit sind beide eben weit davon entfernt. Marius Laux traf zwar gegen Unterhaching, ist aber derzeit im Aufbau von Angriffen kaum präsent – hier spielen oft allein Sven Sökler, Marcel Ziemer und Lukas Kohler die Musik. Marc Lerandy spielt derzeit zu unbeständig, schafft es nicht die Abwehr zu organisieren und wird aufgrund seines Spielaufbaus häufig kritisiert. Gerade auf diesen beiden Positionen wären genügend Alternativen im Kader vorhanden – Luginger nutzt sie aber nicht.

Würde der FCS-Trainer sich allein schon trauen hier Umstellungen zu wagen, hätte er vermutlich einen Teil seiner Kritiker schon ein wenig von sich überzeugt. Ein Sieg allein in Babelsberg wird dafür eher nicht ausreichen.

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