Ganz ohne Worte geht’s nicht

Nach Abpfiff

Nein, heute habe ich keine Lust auf den üblichen Erlebnisbericht. „Schreib, dass zur zweiten Halbzeit die Sonne rausgekommen ist, das reicht“, meinte Statistik-Jörg nach Abpfiff zu mir, als ich da schon sagte, dass dieses Spiel eigentlich keinen Bericht rechtfertigt. Aber irgendwie muss ich ja wenigstens schreiben, wie schlecht das heute war. (Und die Schuldigkeit hab ich eigentlich schon als Stellvertreter von Bernhard bei ludwigspark.de getan.)

Also heute mal statt Spielbericht eine reine Kritik am FCS der letzten Spiele auf allgemeiner Ebene. Heute wurden wieder viele einzelne Baustellen deutlich – und warum der Wechsel zu Michael Müller zwar richtig war, die vielen Patzer Marinas aber im Vergleich zu anderen Dingen nicht ausschlaggebend. Und das ist traurig. Hier eine kleine, subjektive Einschätzung diverser Probleme des FCS unter Jürgen Luginger:

1. Der FCS ist zu Abhängig von Marcel Ziemer

Wenn ich so großzügig bin (das großzügig ist zu betonen) und Markus Hayer als Stürmer mitzähle, hat der FCS nach neun Spieltagen insgesamt zwei Tore durch Stürmer erzielt. Den Rest der insgesamt elf Saisontore entfällt auf Mittelfeld und Verteidigung. Den „Im-Grunde-is-doch-egal-wer-trifft“-Rufern kann ich nur entgegenhalten: Mag sein, nur ist es nicht nur eine statistische Obskurität, sondern verdeutlicht, wie wenig Marcel Ziemer in seiner Abwesenheit ersetzt werden konnte. Marcel Sökler und Felix Dausend sind Testspieltorschützenkönige (analog zu Trainingsweltmeistern) ohne Drittligaerfahrung. Markus Hayer wurde eher per Zufall in Offenbach zum Stürmer und hat bislang noch nicht die Ballverteilerqualitäten von Ziemer im Offensivzentrum. Manchmal habe ich das Gefühl, dass das Mittelfeld oft nicht weiß, wohin der Ball soll. Und deswegen gibt es nur

2. Angriffe über die Flügel

Denn der FCS ist einfallslos. In Ballbesitz landet der Ball irgendwann auf dem linken Flügel bei Laux, der derzeit oftmals schwächer als sein Gegenspieler erscheint, seltener mal bei Kohler, der aber auch eher wie ein Phantom auf dem Platz wirkt. Gut durchgeführt sind Angriffe über den Flügel ja das Lebenselixir des Fußballs. Beim FCS ist es eher eine Art Verlegenheitsvorstoß geworden. Vorne ist keiner, der den Ball nimmt, also gehe ich mal auf den Flügel. Der Gegner sieht das irgendwann, dass sich der FCS durch eine scheinbare Undurchdringlichkeit des Zentrums auf die Seite drängen lässt. Und das nimmt er dankend an und nimmt Laux oder Kohler dann dort den Ball ab.

3. Das Mittelfeld – stocksteif wie das Sonntagsprogramm im ZDF

Es gibt keinen Mannschaftsteil, der in den letzten Jahren die Fans stets so verzauberte wie das Mittelfeld. Das Trio Weißmann-Zimmermann-Zeitz schoss den FCS in die 3. Liga, später kam ein Stiefler hinzu und spielte sich verdient in die Mannschaft. Auch 2012/13 sind die Namen vom Papier hier keineswegs, allein ein Ausnahmespieler fehlt. Das ist aber nicht das Problem im Mittelfeld – es fehlt an Ideen und an Mut etwas auszuprobieren. Einzig Tim Kruse und Sven Sökler scheinen in dieser Saison etwas davon besitzen und brechen aus ihren starren Rollen einmal aus – allein das nützt aber nicht. Und selbst die genannten schienen sich heute mit der chronischen Unlust am Spiel angesteckt zu haben. Warum sehen wir nicht mal einen Ufuk Özbek, der völlig überraschend Vorstöße in den Sturm wagt, um die Verteidigung aufzusprengen? Warum scheinen Laux und Kohler ihre Außenbahnen höchstens Mal nach dem Halbzeitpfiff zu tauschen? Stattdessen stehen sich alle nur auf den Füßen rum, wie heute, als ohne die Absicherung durch eine Doppelsechs kaum etwas durch die Mitte probiert wurde. Im Endeffekt spielt der FCS so vorhersehbar wie selten zuvor.

4. Die Außenverteidiger – oder halt eben nicht

Erschwert wird das Ganze derzeit von zwei Außenverteidigern, die gut gestartet sind, nun in diesem sehr unflexiblen Luginger-System aber eher die Probleme verschärfen. Stegerer und Jüllich gehen weite Wege mit nach vorne, versuchen den Ball in Zusammenarbeit mit den Außenspielern schnell zu halten – aber die verpassen es, Räume für ihre aufrückenden Kollegen aus der Verteidigung zu schaffen. Im Endeffekt stehen dann halt mehrere Saarbrücker, irgendwo auf dem Flügel, verlieren den Ball und der Gegner hat jede Menge Platz zum Kontern.

Das sind nur vier Beispiele, die mir in den letzten Spielen immer wieder aufgefallen sind und so meiner Meinung nach – ich bin ja nicht der Experte, sondern Jürgen Luginger – ihren Anteil an der derzeitigen Misere haben. Im Falle Marinas habe ich Lugingers Vorgehen lange verteidigt, bis irgendwann die kritische Masse an Fehlern erreicht war und Luginger die Nummer eins degradierte. Man kann Luginger generell eher spätes Einsehen als Trainer nachsagen. Hoffentlich wartet er diesmal nicht zu lange, um nötige personelle Änderungen vorzunehmen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 3. Liga, Hinrunde abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Ganz ohne Worte geht’s nicht

  1. Saarlandpower schreibt:

    Leider war es heute eine Frechheit was sich die Jungs auf dem Platz abgehalten haben… Wenn das so weiter geht, wird es gaaanz eng am Ende der Saison

Kommentare sind geschlossen.