Vorbericht: Wie einst 1979

Das Fanlager streitet noch – teils sinnig, eher unsinnig – über die Art und Weise der Wiedergutmachung des Schalkespiels, da ist die Mannschaft schon an diesem Komplex weitergezogen und spielt, zumindest seit einigen Spielen, Fußball mit Leidenschaft und ohne Selbstaufgabe. Zwei Eigenschaften, die beim Schlagerspiel am Sonntag ganz wichtig sein könnten: Es geht zum Traditionsduell beim Karlsruher SC. Und das liegt nicht nur an der angekündigten Mottofahrt.

Das Kräftemessen mit dem KSC ist seit Beginn der Bundesliga im Jahr 1963 einer der Vergleiche, der in der inoffiziellen Meisterschaft um die Vorherrschaft im Südwesten eine Rolle spielt…oder eher spielte. In der Premierensaison der neuen „Premium-Liga“ gehörten beide zu den Gründungsmitgliedern, allein der KSC schaffte den Klassenverbleib. Am 24. Spieltag der Saison 1963/64 sah es lange so aus, als könne der FCS zwei (damals war das noch so viel – es gab ja so wenig!) Punkte ins Saarland entführen. Zur Pause führte Blau-Schwarz durch zwei Tore von Rainer Schönwälder, spielte aber nach dem Feldverweis gegen Werner Hesse nur noch zu zehnt. Karlsruhe kam durch Siegfried Stark und Horst Wild noch zum Ausgleich.

Insgesamt ist die Statistik des 1. FC Saarbrücken bei Spielen gegen die Badener eher mau. Von 22 Spielen in den letzten 50 Jahren gingen nur drei an den FCS, vierzehnmal war Karlsruhe siegreich. Den einzige – und damit logischerwiese letzte – Auswärtssieg sahen insgesamt 8.000 Menschen 1979 im Wildparkstadion. In der Zweiten Bundesliga gewann der FCS durch Tore von Erich Unger und Rainer Künkel mit 2:1. Trainer der Badener war damals Manfred Krafft – in Saarbrücken heute verehrt ob des 6:1-Sieges über Bayern München aus dem Jahr 1977.

Im Jahr 2012 finden sich nun beide in der 3. Liga wieder, beim Karlsruher SC gab es einen mehrjährigen, teils unerwarteten Ausflug in höhere Gefilde, beim FCS selbiges, nur halt in die umgekehrte Richtung. So verwundert es kaum, dass die Karlsruher mit einem stattlichen Kader bestückt sind, der nominell wohl über die stärkste Offensive der Liga verfügt. Routinier Karim Benyamina schoss über Jahre bei Union Berlin die Tore, Rouwen Hennings rannte bereits in Osnabrück und bei St. Pauli über die Flügel, der Holländer Koen van der Biezen traf schon in Liga und Pokal. Der herausragende Name ist dabei aber der des 18-jährigen Hakan Calhanoglu. Der türkische U19-Nationalspieler ist designierter Bundesligaprofi des Hamburger SV und spielt die aktuelle Saison quasi noch in der 3. Liga, um nicht gleich beim derzeit wackeligen Bundesliga-Dino verheizt zu werden.

Fast kurios mutet es da an, dass Karlsruhe in der aktuellen Saison erst sechsmal getroffen hat, die Hälfte davon erst am letzten Spieltag beim BVB II (0:3). Zum Vergleich: Beim FCS sind es der Tore schon elf. Die Karlsruher sind also ähnlich enttäuschend gestartet wie manch anderer Absteiger gestartet und scheint auch die alte Weisheit „Viele Köche verderben den Brei“ beweisen zu wollen.

Kommt im Retro-Trikot!

Der FCS, bei dem die Offensive weit weniger breit gefächert ist, dürfte eine eingespielteren Sturm vorzuweisen haben, sodass selbst der Ausfall zweier wichtiger Angriffsspieler (Manuel Stiefler und Marcel Ziemer) noch irgendwie zu kompensieren ist. An dieser Stelle möchte ich auch mal eine nicht ganz so offensichtliche Stärke des Luginger-Kaders hervorheben, die mancher Kritiker gar als Schwäche sehen will – was aber nun wieder völliger Quatsch ist: Die Flexibilität der Spieler. Fast jeder Akteur des aktuellen Kaders besitzt zwei oder gar mehrere Positionen, mit denen er so vertraut ist, dass er problemlos zwischen diesen hin- und herwechseln kann. Das Extrembeispiel dürfte Lukas Kohler sein, der nach anfänglichen Versuchen auf der Linksverteidigerposition nun auf die angestammte Funktion Manuel Stieflers gerutscht ist. Nicht nur, dass dieser Faktor einen schmäleren Kader möglich macht – er hilft es auch, Ausfälle zu kompensieren.

Obwohl die FCS-Fans also die Geschichte dieses Mal gegen sich haben, gilt es zumindest einen Teilaspekt von ihr in ein wunderbares blau-schwarzes Menschenmeer umzumünzen. Die Virage Est hat zur Mottofahrt aufgerufen – packt all Eure FCS-Trikots, bevorzugt die alten (natürlich gehen aber auch neuere Modelle!) aus und zeigt Farbe in Baden! Einer, der übrigens schon die Trikots beider Mannschaften anhatte, ist die FCS-Legende Herbert Binkert. Der gebürtige Karlsruher spielte in den 1940er Jahren unter anderem für den KSC-Vorgängerklub FC Phönix.

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