Vorbericht: Doch kein Schicksalsspiel

Vor einigen Wochen, als es beim 1. FC Saarbrücken und bei den Offenbacher Kickers fußballerisch sehr haperte, las ich in einigen Fanforen, der siebte Spieltag könne zum Schicksalsspieltag der beiden Fußballlehrer Jürgen Luginger und Arie van Lent werden. Das wird es nun wohl nicht, aber für beide Mannschaften ein Spiel, das eine andere wichtige Frage beantwortet: Ist der Aufwärtstrend nachhaltig geworden? Aber zunächst einmal zur Bedeutung der Partie FCS – OFC.

Brennt förmlich darauf, die Offenbacher zu ärgern – Marius Laux (Foto: oldforest.de/Leuchtturm)

Einen besonderen Anreiz, eine besondere Motivation braucht dieses Spiel für die Spieler wahrlich nicht. Mangels der Berühungspunkte beider Vereine mit ihren eigentlichen, traditionellen Rivalen (Kaiserslautern für den FCS, Eintracht Frankfurt für die Kickers), ist innerhalb der 2000er Jahre vor allem eine sportliche Rivalität entstanden. In der Regionalliga Süd der Jahre 2002 bis 2004 gründete sich der Mythos des 3:2-Erfolgs am Bieberer Berg. Von insgesamt fünf Auswärtspartien gewann der FCS vier an der Zahl, bei Siegen dann auch immer mit einem magischen 3:2. Auf der Gegenseite war es aber eine Heimniederlage, die den FCS im Gedächtnis bleibt: Das 0:4 am 2. Mai 2006 war das letzte Spiel des FCS unter Rudi Bommer und wird von nicht wenigen als Anfang vom Abstieg gewertet. Hatte der FCS jahrelang zumindest sportlich den Hessen eine Nasenlänge voraus, war dies eine kleine Wachablösung, in deren Zeit Offenbach die Tour über die Dörfer erspart blieb und die Planungen für ein neues Stadion vorantrieben.

Offenbach war nun in Spielen gegen den FCS immer der Favorit – und zerbrach an dieser Rolle mehr als einmal im Ludwigspark. Legendär war das 2:0 über den OFC im Februar 2011, als der heutige Frankfurter Olivier Occean die unberechtigste Rote Karte aller Zeiten sah. Eine Saison später wurde es noch bitterer: Beim 3:1-Erfolg der Blau-Schwarzen traf ein gewisser Marius Laux doppelt, der zuvor aus Offenbach wegen zu geringer Torgefährlichkeit (41 Spiele/drei Tore) weggeschickt wurde. In Saarbrücken nahm die Mannschaft und auch das Umfeld Laux auf, er dankte es mit elf Treffern in seiner ersten Saison beim FCS.
Zwei weitere Nadelstiche gegen den OFC gelangen dem 1. FC Saarbrücken vor der aktuellen Saison auf dem Transfermarkt. Zum einen wurde der von den Hessen heftig umworbene Marcel Ziemer gehalten, zum anderen der Offenbacher Markus Hayer verpflichtet. Dieser war zwar erst gegen Saisonende mit einigen Treffern in die Startelf gerutscht und sicher nicht der Starspieler der Kickers. Aber der Wechsel kam überraschend genug für das OFC-Umfeld.

Nun sind beide Mannschaften, wie eingangs erwähnt, durchwachsen in die Saison gestartet, Offenbach sogar mit vier Niederlagen in Folge. Beide konnten sich allerdings gerade in den letzten Spielen wieder konsolidieren. Der OFC gewann in Aachen und zu Hause gegen Dortmund II. Neuzugang Mathias Fetsch traf in beiden Spielen doppelt. Zudem gelang im DFB-Pokal überraschend ein Erstrundensieg gegen den Bundesligisten Greuther Fürth. Nicht nur das sollte dem FCS eine Warnung sein, Offenbach sehr ernst zu nehmen. Der OFC besitzt auch über einen Kader mit einer Reihe von Akteuren, die allesamt schon einmal Bundesliga spielten: Marc Stein, Markus Husterer und Christopher Lamprecht, und das sind nur die bekanntesten.

Sowohl für Jürgen Luginger, als auch für Arie van Lent ist das Spiel am Dienstagabend also doch nicht zum erwarteten Schicksalsspiel geworden. Es ist vielmehr eine Partie, die andere Fragen beantworten wird. Die aus meiner Sicht spannendste Frage in Bezug auf den FCS ist diese hier: Kann der FCS gegen eine der Topmannschaften der Liga bestehen? Dienstag, gegen 21.00 Uhr, dürften wir mehr wissen.

Gegner-Blog zum Reinschauen: 3ecke11er.de

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