Ein Sieg, der nötig war.

Der 1. FC Saarbrücken hat den ersten Heimsieg der noch jungen Saison 2012/13 eingefahren. Das mag recht uninteressant sein, ist aber nach zuletzt drei Heimniederlagen, darunter der anstrengenden und vieldiskutierten Pokalpleite, mehr als wichtig. Es war ein Zeichen der Mannschaft gegen die Enttäuschung der letzten Woche. Sie zeigte sich in guter Verfassung. Von einigen, der nur 3.405 Zuschauer kann ich das nicht behaupten, aber der Reihe nach.

Gegen Wacker Burghausen verzichtete Jürgen Luginger überraschenderweise auf allzu viele Wechsel. Für mich durchaus überraschend musste Ufuk Özbek wieder auf die Bank. Im Pokalspiel war der Ex-Schalker der einzige Spieler, der seine Gegner bereits früh attackierte und dem ich neben Enver Marina einen guten Leistungsbescheid ausgestellt hätte. Stattdessen kam Lukas Kohler zurück in die Startelf und rückte in der Dreier-Offensiv-Kette hinter Sturmspitze Markus Hayer meist auf die rechte Position. Dass Luginger sein System komplett umstellen würde, wäre nicht zu erwarten gewesen. Dass Hayer wieder einmal im Sturm spielte, war dennoch eine zweite Überraschung.

Und keine vier Minuten dauerte es, da waren sämtliche Bedenken erst einmal weg. Nach gelungener Mittelfeldkombination von Tim Stegerer auf Sven Sökler, drang dieser von links in den Strafraum ein und legte auf Kohler quer, der zum 1:0 einnetzte. Ein schöner Treffer, vor allem wenn ich mir die Kritik an Kohler in Erinnerung rufe.
In der Folge konnte der FCS Burghausen gut in Schach halten, brachte den Ball aber nicht mehr gefährlich in Tornähe. Vor allem das defensive Mittelfeld um Christian Eggert und Tim Kruse störte schon früh und erfolgreich. Umso erschreckender die erste Chance für Burghausen nach 25 Minuten per Freistoß und abgefälschtem Kopfball. Nur wenige Minuten später leistete sich Enver Marina mit einem halbhohen Klärversuch einen kleinen Patzer, der glücklicherweise nur einen Blutdruckabfall beim Publikum zur Folge hatte – aber nicht den Ausgleich.

Das Publikum wurde zusehends, trotz der Führung, ungeduldig und ließ sich zu vereinzelten Pfeifkonzerten hinreißen, als der Ball zum Spielaufbau in der Abwehr hin- und hergepasst wurde. Mitten in die sich abzeichnende Unzufriedenheit kam dann ein Ereignis, das unvorhergesehen war und so ziemlich alle Vorurteile der Nörgler der letzten Tage etwas aufbrauch: Tim Stegerer hatte den Ball zentral vor dem Wacker-Tor, verlor diesen eigentlich schon an die Abwehr, aber wie eine Billard-Kugel vom Burghauser Bein abgelenkt lag der Ball nun bei Hayer. Und der erzielte das 2:0. Damit ging es dann auch in die Pause.

Was alles so im Stadion herumliegt – E-Block

In 15 Minuten Freizeit streifen Leuchtturm-Mann Bobbes und ich durch den Ludwigspark auf der Suche nach möglichen Wurfgeschossen. Anlass war die Aussage des FCS-Sicherheitsbeauftragten, dass Wasserflaschen im Stadion zu verbieten seien, da man sie ja mit roter Erde füllen und werfen könnte. Wir wollten mal einfach sehen, was nicht erst ins Stadion hereingeschmuggelt werden musste, um als Wurfgeschoss zu dienen. Ich glaube, dass es keinen überrascht, wenn ich schreibe, dass von Steinen bis hin zu Brettern mit hervorstehenden Nägeln allerhand Zeug im Block liegt, das nicht in Kinderfinger gehört. Aber das ist eine andere Geschichte.

Kein Edelsteinchen.

Ganz nebenbei erblickten wir dann noch hinter der Haupttribüne Marketingmanager Sebastian Pini ins Gespräch vertieft mit Detlev „Jaques Bistro“ Schönauer. Ich kann nur hoffen, dass der Abgang von Stadionsprecher Frank Falkenauer nicht für einen kuriosen Marketing-Einfall gesorgt hat. Aber der FCS überrascht einen ja gerne.

Fußball wurde dann nach kurzweiliger Suche und netten Gesprächen im leeren Rund auch wieder gespielt. Burghausen um den Ex-Homburger und -Trierer Sahr Senesie schien nun mehr vom Spiel zu haben, hatte allerdings auch mehr vom Spiel nachzuholen, angesichts des Rückstands. Ein Lattentreffer der Gäste nach einem Eckball brachte das erste Ausrufezeichen. Saarbrücken kam gleich darauf vermeintlich zum 3:0 durch Hayer, musste den Jubel aber abbrechen – angeblich Abseits beim Freistoß von Sven Sökler. Da der Ball noch vom Gegner per Kopf verlängert wurde, kann die Entscheidung mal angezweifelt werden.

Klitschko oder Enver Marina? Wen diese Flagge darstellen soll, konnte bislang nicht gelöst werden.

In der Folge wurden die Pfiffe in den ruhigen Spielphasen wieder lauter – ein absolutes Unding, wenn eine Mannschaft 2:0 führt, aber auch ein Zeichen des desolaten Zustandes des Ludwigspark-Publikums, selbst wenn es stark reduziert ist. Der Anlass: Oft ging es bei Kontern nicht schnell genug nach vorne, der FCS brachte die Kugel lieber auf ruhige Normalgeschwindigkeit. Bei einer Führung absolut nachvollziehbar – anscheinend aber nicht für einige Zuschauer. Eine Viertelstunde vor dem Schluss war das Lukas Kohler dennoch wohl ziemlich egal, als er einen der vielen Konter dann doch zum 3:0-Endstand abschließen konnte. Der zweite Treffer für den Saarländer ließ den Park jubeln, ebenso noch die kurz darauf vergebene Rote Karte an Senesie wegen Schiedsrichterbeleidigung.

Der FCS hat wenig überraschend gegen schwache Burghauser gewonnen, über weite Strecken durchschnittlichen und abgeklärten Fußball gespielt. Das war nötig, aber manchen Zuschauern nicht genug. Nach Wochen der Enttäuschung vielleicht verständlich, aber eigentlich dennoch unnötig, dann mit Pfiffen zu reagieren. Die zuletzt oft gescholtenen Kohler und Hayer gaben mit ihren Toren die richtige Antwort – und dürften mit dem Sieg auch ihren Kollegen den nötigen Motivationsschub vor dem Spiel gegen Offenbach verliehen haben.

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2 Antworten zu Ein Sieg, der nötig war.

  1. Markus schreibt:

    Danke für den Spielbericht. Mit dem Titel ist schon alles gesagt. Hoffe, dass das Spiel einen dringend notwendigen Aufwärtstrend einleitet. Zum desolaten Zustandes des Ludwigspark-Publikums: Fans, die ihre Mannschaft grundlos auspfeifen, sind keine.

    • Carsten schreibt:

      Zum Glück war das im E-Block, wo ich seit Jahren meinen Stammplatz habe, so gut wie kaum der Fall. Ich fand es schwer peinlich, bei einer 2:0-Führung die eigene Mannschaft auszupfeifen. Wie sagt man noch? „Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss.“

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