Vorbericht: Wiedersehen mit Aachen

Alemannia Aachen ist ein Verein, der eigentlich ganz gut als Vergleichsgröße für den Werdegang des 1. FC Saarbrücken herhalten könnte. Wie das Saarland gerne mal für Flächenvergleiche bei Waldbränden in den Nachrichten dienen muss.

Die Alemannia hat vor dem Abstieg noch den Retrowahn entdeckt und sein altes Logo wieder eingeführt.

Als ehemaliger Deutscher Vize-Meister mit Erfahrung in den oberen zwei Spielklassen stieg der „Klömpchensklub“ 1998/99 in die 2. Bundesliga auf – ein Jahr vor dem FCS. Anders als der FCS konnte sich Aachen auch durchgehend – von 1999 bis 2006 – dort halten und krönte seine Leistung mit dem Bundesligaaufstieg, Finale im DFB-Pokal und UEFA-Cup-Teilnahme. Schnell wurde die Chance genutzt, vom alten Tivoli in einen Neuen umzuziehen, der bei späteren Europapokalspielen dann mal genutzt werden sollte. Pustekuchen – die Alemannia stieg nach einem Bundesligajahr ab, nach fünf weiteren Jahren 2. Liga war auch dort Schluss und nun ist das Wiedersehen perfekt. Was lehrt uns diese Geschichte? Vermutlich recht wenig, außer dass es bei gleicher Ausgangslage für zwei Mannschaften recht unterschiedliche Werdegänge geben kann. Und dass ein Stadionneubau mittlerweile auch in den oberen zwei Ligen keine Erfolgsgarantie mehr darstellt.

Die Situation für Aachen ist somit geklärt. Der sportliche Abgang hatte auch finanzielle Folgen: Der gebürtige Saarbrücker und jetzige Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer konnte erst kurz vor Saisonbeginn mit einiger Anstrengung die wirtschaftlichen Voraussetzungen für Liga 3 herstellen. Was so viel heißt, wie dass Aachen zu sportlicher Konsolidierung verdammt ist – denn mit den Einnahmen in Liga 3 wird es schwer, den Stadionkredit abzubezahlen.

Um den Wiederaufstieg zu schaffen, setzt Aachen auf eine Mischung aus jungen und alten Spielern. Im Spiel gegen den BVB II waren insgesamt sechs Spieler unter 24 Jahren auf dem Spielfeld, ergänzt von vier Ü-30-Spielern und Marcel Heller (26 Jahre). Eine nicht unübliche Mischung, mit der das Vertrauen der Fans zurückgewonnen werden soll. Publikumsliebling Sascha Rösler kehrte mit 34 Jahren aus Düsseldorf wieder an den Tivoli zurück, Albert Streit scheint nach verkorkstem Schalke-Engagement hier wieder zu alter Stärke zu finden. Als einer der wenigen Aachener, die den Umbruch überstanden, hat zudem Aimen Demai (von 2004-06 beim FCS) seinen Vertrag bis 2015 verlängert. Trainiert wird die Mannschaft von Ralf Aussem, der zu dieser Saison den Sprung vom Dauerinterimstrainer zum etatmäßigen Trainer packte. Trotz seiner 51 Jahre hat Aussem im Profibereich bislang nur kurz bei Fortuna Köln und bei Rot-Weiß Essen in der Verantwortung gestanden.

Einfach wird es also gewiss nicht für den 1. FC Saarbrücken in dieser englischen Woche. Das Spiel in Bielefeld, so milde die Aussagen nach dem Spiel in der Presse doch ausfielen, hat eklatante Schwächen offenbart. Erstmals fing sich der FCS drei Tore aus dem Spiel heraus, das Duo Straith/Lerandy schien weniger zu harmonieren als die Kombo Kruse/Lerandy. Auch Jürgen Luginger dürfte nicht entgangen sein, dass den beiden ersten Toren von Fabian Klos nicht nur unnötige Ballverluste, sondern auch schwere Stellungsfehler vorangingen. Im Mittelfeld pausierte zuletzt Christian Eggert nicht ganz so überraschend. Interessant wird, ob Luginger Kevin Maek gegen seinen Ex-Verein aufbieten wird oder aber nach durchwachsenen Leistungen erst auf die Bank schickt. Im Sturm bleibt die Lage trotz einer möglichen Rückkehr von Marius Laux angespannt. Weder Hayer, noch Sökler, noch Dausend haben bisher Marcel Ziemer auch nur im Ansatz ersetzen können, gerade Markus Hayer wirkte in Bielefeld stellenweise eher wie ein Außenverteidiger.

Beim letzten direkten Duell gab es übrigens am 29. März 2006 eine 2:5-Niederlage für den FCS. Am Ende stieg Aachen auf, Saarbrücken ab. Eine Wiederholung davon werden wir aber nicht zu sehen bekommen. Besser ist’s.

Blog des Gegners: Blog M – Alemannia Aachen Fanblog

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