Das tut weh

Enttäuschende 5.600 Zuschauer versammelten sich unter drohenden grauen Wolken – regnen sollte es den gesamten Nachmittag nicht – um dem zweiten Saisonspiel des 1. FC Saarbrücken beizuwohnen. Als Gegner begrüßten die Blau-Schwarzen die Lila-Weißen vom VfL Osnabrück. Ohne den verletzten Marcel Ziemer startete der FCS mit der sonst unveränderten Startelf aus dem Stuttgartspiel. Den Part in der Sturmspitze übernahm Markus Hayer. Auf Osnabrücker Seite fehlte ebenfalls der etatmäßige Stürmer Simon Zoller aufgrund einer Sperre.

Gute 20 Minuten brauchte es, bis sich auf dem Rasen des Ludwigsparks erste Chancen ergaben. Osnabrück schien insgesamt mit den Umstellungen besser klarzukommen und dominierte, während der FCS verschnürt und eingeengt keinen wirklichen Spielaufbau hinbekam. Der VfL ließ den Ludwigspark mehrere Male kurz verstummen. Ein Fernschuss nach 30 Minuten streifte das Lattenkreuz am Gehäuse von Enver Marina – die Schockstarre ließ das FCS-Publikum kurz verstummen. Erst kurz vor Ende der 1. Halbzeit gelangen dem FCS die ersten richtigen Torchancen. Sven Söklers Schuss streifte am langen Pfosten vorbei, Ufuk Özbeks Torerfolg stand das Bein eines Gegenspielers im Wege. Markus Hayer, um mal diesen Fußballjournalistenjargon zu verwenden, „fand nicht statt“.

Der rechte Ball hat eindeutig weniger Luft als der linke. Unerlaubtes Luftablassen? Wo ist Herr Abel, wenn man ihn mal braucht?

Mitte der 1. Halbzeit hatte ich meinen Standort kurz in den A-Block verlagert, um Leuchtturm-Chef-Lederjackenträger und Tim-Burton-Experte Jochen aufzusuchen. Gemeinsam erlebten wir dann das neue Halbzeitspiel. In einem sogenannten „Zorb“ mussten zwei FCS-Fans in Richtung Tor rollen, der schnellere von beiden bekam den größeren Gutschein als Preis. Der Langsamere den kleineren. Obwohl das Rammen des Gegners ausdrücklich erlaubt wurde, endete das Spiel nach wenigen Sekunden sehr unspektakulär und ließ Jochen und mich zum einstimmigen Urteil kommen, dass wir Zeugen des bislang langweiligsten Halbzeitspieles im Ludwigspark seit Ende des „Eppersmobils“ geworden sind. Dass der Luftdruck eines „Zorbs“ dann gewaltig unter dem des anderen lag, ließ kurz noch Zweifel daran aufkommen, ob alles mit rechten Dingen zuging. Wo ist Aufsichtsratsmitglied Franz-J. Abel denn, wenn man ihn mal wirklich braucht?

Der Gästeanhang

In Halbzeit zwei ging es am gewohnten Standpunkt im E-Block weiter. Gaetano Manno eröffnete das Spiel wieder mit einem harten Schuss, der zur Ecke abgeblockt wurde. Nach hoher Flanke verlängerte ein VfL-Spieler per Kopf an den Fünfmeterraum, wo Enver Marina, vom Gegenspieler deutlich behindert, den Ball fallen ließ. Paul Thomik bedankte sich und schob den Ball durch Marinas Beine zur Gästeführung ein – 1:0. Dass bei manch anderem Schiedsrichter wohl auf Stürmerfoul entschieden worden wäre, tut besonders weh.
Noch mehr Schmerz verursachte dann die Fehlentscheidung des Tages. Nach einem langen Ball auf Sven Sökler stürzte VfL-Torwart Manuel Riemann überhastet auf dem Kasten und touchierte den Ball, leicht, aber entscheidend, mit der Hand, sodass Sökler um seine Torchance gebracht war. Christian Leicher aus Landshut übersah diesen Fall, geschaffen wie für das Schiedsrichterlehrbuch, und beließ es ohne Konsequenzen. Riemann hätte hierfür eigentlich Rot sehen müssen.

Nachdem Lukas Kohler unbedrängt eine von bereits gefühlt zwei oder drei guten Chancen zum Ausgleich vergab (Kommentar Sven B.: „Das kann man beim Hobbyturnier bei der Hermann-Röchling-Höhe versuchen.“), reagierte Jürgen Luginger. Er wechselte für den enttäuschenden Kohler und den bemühten, keineswegs schlechten Ufuk Özbek die beiden Jungstürmer Felix Dausend und Marcel Sökler ein. Danach sollte das FCS-Spiel deutlich an Schwung gewinnen. Vor allem Dausend zeigte sich immer anspielbar, mit hervorragender Ballkontrolle und schlichtweg unfassbar großem Unglück im Abschluss. Ich möchte im Folgenden nicht die einzelnen Chancen, sei es der Lattenschuss oder der aus fünf Meter am Torwart gescheiterte Versuch, noch einmal Revue passieren lassen. Viel zu sehr würde das schmerzen und schmerzhaft genug bleibt schon die allgemeine Feststellung, dass der Saarbrücker Jung Dausend eine Ballannahme hat, so geschmeidig und ansehnlich sie kein FCS-Stürmer der letzten Jahre besaß. Unbegreiflich, wie es letztlich nicht einmal zu einem Treffer reichen konnte.

Am Ende blieb es bei der ersten Niederlage der Saison 2012/2013. Ähnlich wie in Stuttgart waren es kleine, in Sekundenschnelle auftretende Fehler, die über Sieg und Niederlage entschieden. Dieses Mal hatte der FCS das schlechtere Ende erwischt. Dies ist es, was den Fußball sehr oft schmerzhaft macht. Aber es gehört eben dazu.

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