Offener Brief an den Präsidenten des FCS, Paul Borgard

Sehr geehrter Herr Borgard,

in dieser Woche trafen sich in Berlin Vertreter von 53 Profivereinen des Deutschen Fußballs mit Vertretern der Politik, allen voran des Bundesinnenministeriums. Sie vertraten in Berlin den 1. FC Saarbrücken und werden in der Saarland-Ausgabe der BILD-Zeitung mit folgenden Worten zitiert: „Es war der erste Ansatz einer konstruktiven Diskussion, Hervorragend ist, dass die Fanprojekte deutlich mehr unterstützt werden. Es ist wichtig, die Fans dort abzuholen, wo sie sind. Aber wir wollen keine Schnellschüsse, sondern Gespräche, um vernünftige Lösungen zu finden.“

Fangen wir doch mal bei ihrem letzten Wunsch, an, dass es keine Schnellschüsse geben soll. Die Konferenz war an einem Tag abgehandelt, am Ende stand die Verabschiedung eines Verhaltenskodex und eines Maßnahmenpakets. Nach einem Tag der Diskussion. Halten sie das nicht für viel zu wenig, um schon konkrete Ergebnisse, sei es nur ein Verhaltenskodex zu präsentieren? Reicht ein Tag für so viele Teilnehmer eines Sicherheitsgipfels wirklich aus, um vernünftige Lösungen zu finden?
Die Vertreter des 1. FC Union Berlin etwa waren nicht dieser Meinung. Diesen wurde der am Dienstag verabschiedete Kodex erst am Vortag um 16.45 Uhr zugeschickt. Tagesschau.de zitiert den Vereinssprecher Christian Arbeit wie folgt: „Bevor solch ein Kodex verabschiedet werden kann, sollten sich die Vereine zunächst auf einen Konsens einigen können“, sagte Arbeit. „Innerhalb eines Tages ist dies nicht zu machen. Es scheint auch so, als sollte dies bei dieser Akklamationsveranstaltung gar nicht gewollt gewesen zu sein.“
Wie stehen Sie zu dieser Beurteilung des Gipfels?

Dann sagen Sie, dass der Gipfel der „erste Ansatz einer konstruktiven Diskussion“ sei. Nun, als einfacher Fan Ihres Vereins und Vereinsmitglied kann ich natürlich nur mutmaßen und den Kongress-Teilnehmer beste Absichten und einen Diskussionswillen unterstellen. Allerdings finde ich es erstaunlich, dass Vertreter von 53 Vereinen, des DFB und der Politik eine Diskussion über Fans ohne Fans stattfinden lassen. Dabei gibt es organisierte Fanverbände in Deutschland, die schon seit Jahren in der öffentlichen Diskussion mitmischen, sich via Presse zu aktuellen Entwicklungen äußern und sicher auch Fachwissen in einen solchen Sicherheitskongress einbringen könnten. Schließlich sind diese der diskutierte Gegenstand: Die Fans. Hätte es der Veranstaltung geschadet, auch diese einzuladen? Hätte das nicht eine konstruktive Diskussion aufgewertet und die Fans wirklich dort abgeholt, wo sie sind?

Als Fan sehe ich mit dem beschlossenen Kodex ein Schriftstück verabschiedet, in dem weder meine Interessen als Fan, noch meine Interessen als Mitglied des 1. FC Saarbrücken, dessen höchster Vertreter Sie sind, gewahrt sind. Ich verurteile Gewalt beim Fußball. In diesem Kodex steht allerdings nicht, ab wann Störer Störer sind. Gerade solche Passagen sind schwammig und lassen den Raum für Definitionen zu groß. Bin ich schon ein Störer, wenn ich Spieler auspfeife oder einen diffamierenden Fangesang anstimme?

Mich würde Ihre Meinung zu den angesprochenen Punkten sehr interessieren. Deshalb schreibe ich als interessierter Blogger eines FCS-Fanblogs und als Redakteur eines FCS-Fanmagazins. Sofern Sie nicht ausdrücklich in Ihrer Antwort Widerspruch einlegen, würde ich diese gerne als Schriftwechsel veröffentlichen.

Ich verbleibe mit herzlichen, blau-schwarzen Grüßen,

Carsten Pilger
Redakteur FCS-Fanmagazin „Leuchtturm“
Webmaster dasfcsblog.wordpress.com

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