Das Testspiel gegen den FCK

Eigentlich bin ich mir nicht sicher, ob ich einen Bericht über das Testspiel 1. FC Saarbrücken gegen den 1. FC Kaiserslautern schreiben will. Das hängt mit meiner persönlichen Meinung zusammen, die ich keinem aufdrücken möchte, die aber lautet, dass solche „Derbys“ einfach nicht als Testspiel taugen. Vom ursprünglichen Begriff „Freundschaftsspiel“ herrührend bevorzuge ich nicht unbedingt die direkte Verbrüderung mit dem Testspielgegner, finde es aber ganz sympathisch gegen Mannschaften zu spielen, die nicht gerade als größter Feind gelten. Chemnitz durfte zum Beispiel gegen den englischen Erstligisten Newcastle United ran, was mich recht neidisch macht. Das wäre mal ein wünschenswerter Sparringspartner. Aber so nun halt Kaiserslautern, aus Gründen, die wohl eher im Marketing zu vermuten sind.

„Was geht stimmungstechnisch? Und was geht überhaupt so?“, die meistgenannten Fragen im Vorfeld des Klassikers, der in dieser Form den Glanz schnell verliert. Machen wir es kurz: Stimmungstechnisch war wie zu erwarten das Repertoire an den üblichen Hassgesängen und austauschbaren Anfeuerungsrufen auf beiden Seiten präsent, die Saarbrücker Seite ob der zahlenmäßigen Überlegenheit und der vielen Wechselgesänge im Vorteil, wenngleich ich die Stimmung nicht unbedingt als überragend bezeichnen kann. Auf beiden Seiten gab es zudem vor und während des Spiels Rauchbomben, teilweise sogar im A-Block, der sehr gut gefüllt war (die Gründe hierfür kann sich jeder denken), gezündet wurden. Ob es der Stimmung zuträglich ist, muss ein jeder für sich entscheiden.

Das Gute am Spiel sollte letztlich immerhin das Spiel werden. Es ist zwar nicht dasselbe im Stadion zu stehen, wenn es praktisch gesehen um nichts geht. Andererseits war es für mich das erste Spiel im Ludwigspark seit genau 323 Tagen – und eine Rückkehr nach solch einer langen Zeit ist ein wirklich überwältigendes Gefühl. Wenig hat sich geändert, die alten Gesichter sind geblieben, die Gespräche während der 90 Minuten auf dem Platz sind zwar kein bisschen gehaltvoll, aber wenigstens unterhaltsam und der eigentliche Grund, warum wir alle immer wieder zum Fußball gehen.

Gespielt wurde dann auch noch. Um es kurz zu machen: Im Gegensatz zum Test gegen Worms spielte die neu formierte Abwehrviererkette um Jüllich, Lerandy, Kruse und Stegerer solide und sicher – was bedeuten könnte, dass Kohler künftig ins offensive Mittelfeld rückt. Ich würde es mir jedenfalls wünschen. Die Offensive wirkte deutlich gereift und spielte sich im ersten Durchgang gute Chancen heraus, welche – hier die augenscheinlich größte Schwäche des FCS – ungenutzt blieben. Der FCK wirkte seinerseits eher schwach
Im zweiten Durchgang wechselten beide Mannschaften munter durch, was wie erwartet die taktische Formierung beider Teams etwas aufbrach. Kaiserslautern kam nun öfters vor das FCS-Tor und konnte durch einen Elfmetertreffer von Pierre de Wit nach vorausgegangenem Handspiel in Führung gehen. Der FCS verlagerte sich vor allem auf schnelles Umschalten, was sehr vielversprechend aussah und zum Ausgleich durch einen wunderbaren Kopfballtreffer von Ufuk Özbek führte. Kurze Zeit später gab es den zweiten Elfmeter des Tages, den diesmal Albert Bunjaku für den FCK zur erneuten Gästeführung verwandelte. Den 2:2-Schlusspunkt setzte Marcel Sökler, der einen erneuten Konter wunderbar abschloss und – obwohl vorrangig für die U23-Mannschaft verpflichtet – erneut unterstrich, dass er in dieser Saison auch in der 3. Liga zu Chancen kommen könnte.

Letztlich endete das Spiel mit einem ansehnlichen und für den FCS guten Ergebnis. Abseits des Platzes war das Ergebnis dieses Testspiels nicht immer nett anzusehen. Wie etwa die mit Steinen beworfene Zugtür einer Regionalbahn in Richtung Trier, die durchaus im Zusammenhang mit dem Spiel stehen könnte. Zuvor konnten die Mitfahrenden erleben, wie sich Fans beider Mannschaften in Völklingen zu unnötigen Auseinandersetzungen hinreißen ließen. Ich bleibe dabei, dass ich beim nächsten Mal dann doch lieber einen englischen Testspielgegner hätte.

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4 Antworten zu Das Testspiel gegen den FCK

  1. Phönix schreibt:

    Ich glaube, dass diesesTestspiel beim Wechsel des FCS- Arztes und des Physios nach Lautern vereinbart wurde.Mir wäre auch ein anderer Club lieber gewesen, aber hinsichtlich der Einnahmen war das bestimmt okay. Letztes Jahr gab es ein schönes Turnier in England- leider hat das wohl dieses Jahr gar nicht stattgefunden oder aber ohne den Titelverteidiger.Schade.Mit etwas Engagement seitens der Führung wäre da sicher was möglich gewesen.

  2. Carsten schreibt:

    Das sollte eigentlich dieses Jahr in Saarbrücken stattfinden, aber als die Leute im Verein da wieder drauf aufmerksam gemacht wurden, stand die Vorbereitung bereits in weiten Teilen fest.

    • Phönix schreibt:

      das ist nicht wahr, oder??

      • Carsten schreibt:

        Das ist die Version, die ich kenne. Wer eine genauere weiß, müsste sich hier zu Wort melden. Da die Teilnahme beim damaligen EC-Group-Cup 2011 über einen Saarbrücker Geschäftsmann eingefädelt wurde, war letztes Jahr der Plan, dass daraus ein jährliches Turnier mit wechselndem Austragungsort wird.

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