Von 2.000 auf 4.000?

Paul Borgard ist im Gegensatz zu Horst Hinschberger nicht der „Medienpräsident“ des 1. FC Saarbrücken, sondern redet in Interviews betont unaufgeregt und sachlich. Das lässt ihn manchmal farblos erscheinen, wird aber von vielen Menschen geschätzt, denen die oft großspurigen Aussagen Hinschbergers zuwider waren. Dennoch schleichen sich auch Ankündigungen in den Mund Borgards, die fast schon „hinschbergerisch“ klingen.

Im Interview mit Dominique C. Rossi für das Ostermann-Magazin „FORUM“ verkündete der FCS-Präsident viel bekanntes und wenig neues, hielt sich mit kommenden Marketing-Aktionen bewusst bedeckt – was auch nachvollziehbar ist – kündigte dann aber etwas an, was doch ins Auge fiel:
„Zunächst einmal sollte es möglich sein, die Mitgliederzahl von jetzt 2.000 auf 4.000 zu verdoppeln. Das ist ein Ziel für die kommenden beiden Jahre. Aber dafür müssen wir die Mitgliedschaft attraktiver gestalten.“

Laut offiziellen Angaben verfügt der FCS über 1.910 Mitglieder, wobei schon die Hinzugewinnung der kommenden 90 zahlenden Mitglieder ein Kraftakt an Überzeugung werden sollte. Borgard könnte dies bei seinem Vorgänger, bekanntlich jetzt im Aufsichsrat, erfragen, der im Sommer 2007 ankündigte, die Mitgliederzahl innerhalb eines Jahres von knapp 1.550 auf 2.500 zu hieven. Hinschbergers „Liebe-kennt-keine-Liga“-Kampagne zog zwar Neumitglieder an, verpasste das angestrebte Ziel aber um Längen. Die Jahre zuvor getätigte Mitgliederkampgane zum  hundertsten Geburtstag des Vereins, hatte nur den Effekt, dass man unnötigerweise den Spielball des legendären 6:1-Erfolges über Bayern München (1977) als Hauptgewinn eines Preisausschreibens verjubelte.

Kurz gesagt: Im Mitglieder Anwerben tut sich der FCS schwer und hat keine zündenden Ideen. Dabei wäre es erst einmal wichtig, wenn gegenüber Mitgliedern gemachte Versprechen eingehalten würden. Auf der Vereinsseite lesen sich die Vorteile einer Mitgliedschaft so, dass es ein Begrüßungsgeschenk und einen Gutschein für den FCS-Fanshop für Neumitglieder gebe. In der Realität, so erfuhr es Leuchtturm-Redakteur Jens vergangenes Jahr, gab es einen Brief mit einem „Liebe-kennt-keine-Liga“-Aufkleber. Selbst einem klammen Verein darf ein weniger trauriges Begrüßungsgeschenk einfallen (Näheres dazu im Leuchtturm #8 nachzulesen).

Daneben vergisst die Vereinsseite andere, vielleicht sogar reizvolle Vorteile der Mitgliedschaft. Als ich beim letzten Fanshopbesuch neben der verbilligten Dauerkarte (derzeit wohl der einzig wirkliche Grund Mitglied zu sein, wenn man nicht gerade Student oder Schüler ist) auch noch einen Fanartikel erwarb, bekam ich 10% Mitgliederrabatt. Auf Vereinsseite findet sich kein solcher Hinweis, auch im Online-Fanshop nicht. Selbst der seitens der Saarbrücker Fanbetreuung via Facebook verbreitete Flyer vergisst diesen Vorteil und nennt stattdessen „Stadionmagazin: Exklusiv per E-Mail zu jedem Heimspiel“ als Bonus einer Mitgliedschaft. Seit dem 1. September 2003, dem Tag meines Eintritts, warte ich auf besagte E-Mail mit dem FC-Magazin.

Das alles sind Kleinigkeiten, die in der Summe aber eben ein gewisses Bild erzeugen: Der FCS tut nur das allernötigste für seine knapp 2.000 Mitglieder. Das ist nicht viel, wenn man den Vergleich zu anderen Vereinen zu Rate zieht (siehe auch hier den Artikel von Jens im Leuchtturm #8). Zudem wird in fast jedem Interview seitens des Präsidiums laut herausposaunt, das bei der ersten sich bietenden Gelegenheit eine Ausgliederung der Profiabteilung des Vereins und Überführung in eine andere Geschäftsform ansteht. „Wer brüllen will, braucht eine Stimme!“ wirbt der neue Flyer des Vereins Neumitglieder. Selbige Stimme soll dann zum nächstmöglichen Zeitpunkt noch einmal verkleinert werden, sodass aus stimmgewaltigen Löwen zahme Schmusekätzchen werden. Dass dem Präsidium Mitglieder, die kritische Fragen stellen oder sich gar erdreisten, eigene Aufsichtsratskandidaten aufzustellen, nicht wirklich gelegen kommen, zeigt sich an dieser Stelle.

Letztlich werde ich gespannt verfolgen, ob die von Paul Borgard angekündigte Mitgliederoffensive die offenen Baustellen im Service erkennt und zumindest dort die nötigen Arbeiten anstellt, um Mitglieder zu gewinnen, denen Vergünstigungen oder das einfache „Wir-Gefühl“ eines Vereins wichtiger als das eigene Stimmrecht bei Mitgliederversammlungen sind. Das wäre möglich, erfordert aber einige Anstrengungen. Ein Mannschaftsfoto vor der Saarschleife reicht da nicht aus.

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