Zum Warmlaufen

1. FC Saarbrücken – VfL Osnabrück. So hieß das letzte Spiel, das ich vom FCS sah, am Ende hieß es 2:2. In der Zwischenzeit durfte ich etwas französischen Fußball bestaunen, Ersatzdroge nennt das jemand wie ich normalerweise. „Sie waren doch in Frankreich, das hab ich gelesen“, lautete eine Reaktionen eines Bekannten der vielen Bekannten, die ich zum ersten Mal seit Monaten, vielleicht sogar seit einem Jahr, wieder sehen sollte. Ja, das stimmt, jetzt bin ich zurück, keine Ersatzbeschäftigungen mehr, sondern beim FCS. Das Testspiel gegen Wormatia Worms taugte zum Warmlaufen, aber auch nicht mehr.

Gesprächsthemen auf den Rängen des altehrwürdigen FC Sportfelds: Die Terminierung des Schalke-Spiels, die mir aufgrund eines geplanten Bordeaux-Urlaubs mit etwas Glück und pünktlichen Zügen sehr entgegen kommt, dann die Neuzugänge, das Testspiel gegen Lautern, dann irgendwann hin zu modernen Fußballspielsystemen, Franzosenverbot in Saarbrücker Diskotheken, die Aktualität und das Dummgeschwätz, das ich seit einem Jahr nicht mehr hatte. Teilweise hat es mir auch wirklich gefehlt. Es ist nicht nur eine gute Gelegenheit, Aktualitäten und besonders kreative Beschimpfungen der Gästespieler und des Schiedsrichtergespanns auszutauschen, sondern auch die Versicherung gegen ein allzu unspannendes Spiel.

Das war die Begegnung gegen den Regionalligisten Wormatia Worms dann auch. Der FCS begann mit dem Standardsystem aller Fußballtaktiker, einem 4-2-3-1, bei dem eine Vielzahl vermutlicher Stammspieler der kommenden Saison auflaufen durfte, so etwa Marcel Ziemer, Marius Laux, Christian Eggert, Sven Sökler oder Markus Hayer. Der FCS begann offensiv und erarbeitete sich früh über die Flügel gute Gelegenheiten. Auffällig waren dabei die häufigen Positionswechsel zwischen Sökler und Laux, sowie Ziemer und Hayer. Damit sollten Lücken in die Wormser Abwehr gerissen werden.

Lücken gab es dabei eher in der FCS-Defensive, die sich auf der linken Seite sehr schwach präsentierte. Mit einem Doppelschlag in der 19. und 21. Minute überwand Wormatia Torhüter Benedikt Fernandez zweimal und schraubte den Spielstand wie aus dem Nichts auf 0:2 herauf. Beiden Aktionen gingen Ballverluste auf links voraus. Lukas Kohler, in der ersten Halbzeit Linksverteidiger und mit der Kapitänsbinde aufgelaufen, rückte stets bei Angriffen weit auf, schaltete aber nie schnell genug auf Verteidigung um. Über diese großen freien Räume wurde meist der Wormser Stürmer Younes Bahssou geschickt, der jedes Laufduell gegen Innenverteidiger Tim Knipping gewann. Dies lag an dessem schlechten Stellungsspiel und Bahssous ansehnlichen Sprints. Im Gegensatz dazu strahlte Nicolas Jüllich auf der rechten Abwehrseite hohe Sicherheit aus, wenngleich er sich auch optimal ins Angriffsspiel des FCS einfügen konnte.

Einmal sollte dann auch Lugingers Taktik aufgehen: Nach 35 Minuten nutzte der sich oft hinter seine Nebenmänner fallen lassende Ziemer eine Lücke in der Wormser Abwehr, schickte Sven Sökler mit einem klugen Pass, sodass dieser nur noch Gästekeeper und Ex-Elversberger Kevin Knödler umspielen musste. Der Abstand verringerte sich auf 1:2.

Nach dem Seitenwechsel lief auf beiden Seiten deutlich weniger zusammen, was einerseits daran lag, dass Luginger Lukas Kohler ins linke Mittelfeld zog und ließ hinter ihm Tim Stegerer aus der zweiten Mannschaft heran, der für mehr Sicherheit sorgte. Andererseits wurde, wie es sich bei einem Testspiel gehört, kräftig durchgewechselt und Aktivposten wie Jüllich oder Laux aus dem Spiel genommen. Trotz Umstellung versuchte der FCS sein taktisches Konzept beizubehalten, allerdings fehlte nun deutlich die Flexibilität, zudem schien Marcel Ziemer noch nicht die Ausdauer für die vollen 90 Minuten zu besitzen. Es blieb so beim 1:2 aus Saarbrücker Sicht bei einer nicht wirklich sehenswerten zweiten Halbzeit.

Aber eines kann ich nach dem Spiel nicht: Mich dem Tenor mancher Sportfeldgänger („Mit denno dóó steije mer ab!“ oder „Der Luginger macht nimmé lang!“) anschließen. Zu deutlich war dieses Spiel ein Test verschiedener taktischer Möglichkeiten. Dass Schwachstellen so offen erkennbar wurden, ist vor Saisonbeginn nur wichtig und hilfreich. Dennoch erfüllt dieses Warmlaufen auch noch einen weiteren Zweck: Der geneigte Tribünennörgler durfte sich schon für die kommenden Enttäuschungen warmreden. Am Ende lernen doch noch alle aus Niederlagen.

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