Claudio Mariotto: DIE DEUTSCHEN LERNEN ES NIE!

Der luxemburgische FCS-Fan und Spielchronist Claudio Mariotto, der zuletzt als gescheiterter Aufsichtsratskandidat Schlagzeilen machte, hat eine Rundmail an diverse Menschen im Umfeld des FCS, Borussia Dortmund, Greuther Fürth, SC Bad Neuenahr und des Kicker-Sportmagazins geschrieben. Da dies wohl als Offener Brief zu verstehen ist, erfülle ich Claudio gern den Wunsch und veröffentliche seinen EM-Kommentar. Kommentatoren bitte ich dies unter der Kategorie „Humor“ zu lesen und sich vor allem nicht von Claudio beleidigt zu fühlen. Das würde er sicher nicht wollen.

DIE DEUTSCHEN LERNEN ES NIE!

Impressionen eines nicht Deutschen zur deutschen EM.

Wie jeder Mensch, so wurde ich auch gefragt, wer Europameister wird. So gab ich zur Antwort: „Deutschland kann Weltmeister werden, wenn es nicht über Luxemburg strauchelt.“ Und so hatte ich mein Orakel unter Dach und Fach.

So freute ich mich wie viele andere auch, als es losging. Ich freute mich auch darüber, dass die große Fußballweltmacht Deutschland dank ARD und ZDF alle Spiel übertrug.

Kaum hatte das Turnier begonnen und schon kam der erste Ärger. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern ob es nach dem 1. Spieltag oder dem 1. Spiel der deutschen Nationalpanzerdivision war. Es war abends nach einem Spiel, das gegen 20:45 Uhr begann. Rein zufällig blieb ich ARD treu und die Sendung Waldis Club wurde ausgestrahlt. Direkt zu Beginn spielte man ein Lied, das so manchen aus der Fassung brachte. Man sang:“ Wir sind die Besten, die Größten, die Meister, …“ und dergleichen weiter. Ich sagte mir, wie können sie nur … Was erlauben sie sich da! Der sportliche Eifer für vernünftigen nationalen Stolz überschritt jede vernünftige Begeisterung und drang in den fanatischen Bereich der Arroganz, Überheblichkeit und dergleichen mehr ein.

Ich sagte mir: „Haben diese Menschen nichts aus ihrer Vergangenheit gelernt, als ihre Vorfahren ähnliche Töne verbreiteten und Europa und große Teile der Welt in Schutt und Trauer versenkten? Ich war zutiefst geschockt. Eine Flutwelle der Abneigung überkam mich und ich bitte um Entschuldigung wenn ich jemanden beleidige.

In der Schule hatte ich es mit der deutschen Sprache schwer. Aber etwas habe ich nicht vergessen. Es handelt sich um ein Sprichwort: „Verkaufe NIE das Fell des Bären bevor du ihn getötet hast!“ Es wäre gut wenn die Liedermacher und –singer sich dieses Sprichwort zu Herzen nehmen würden.

Bevor das Turnier losging sagte ich mehreren Leuten folgendes. Und falls die Leser meinen Worten nicht glauben wollen, dann sollen sie Rücksprache mit meinem Sportdirektor oder mit dem Präsidenten des 1. FC Saarbrücken, Herrn Paul Borgard oder der früheren Teammanagerin der 1.FCS-Frauenabteilung, Fräulein Spielmann, nehmen. Ich behauptete immer folgendes: Deutschland basiert auf einen Paket von Bayernstammspielern. Diese haben wie Inter Mailand im Jahr 1967, in einigen Wochen alles verloren: Meisterschaft, DFB-Pokal und die europäische Meisterliga. Wenn diese Spieler jetzt in diesem Turnier bis aufs Äußerste gehen müssen, dann kann es sein, dass sie wieder „versagen“ (die Bayernspieler sollen nicht als Versager gestempelt werden) oder besser ausgedrückt, nicht den Unterschied machen können um das Ziel zu erreichen.

Und so kam es auch. Wieder hat sich gezeigt, dass Lahm der beste Bayernspieler war. Gegen Chelsea sagte ich mir, dass er der einzige Spieler ist, der die mentale und physische Frische hat um den Elfmeter zu schießen. So war es auch gegen Italien, nur er hat die Tore nicht verhindern können.

Diese ungewollte Niederlage wird öffentlich nie richtig analysiert und diskutiert werden, so wie es auch der Fall mit der 2 zu 0 Niederlage zur WM 2006 gegen Italien war.

Das deutsche Volk soll sich selbst bei der Nase packen und die Sachen bescheidener angehen (Worte eines Deutschen Freundes).

Wie wird es weitergehen? Egal wie es geht, gewonnen oder verloren, bejubelt oder ausgepfiffen, das nächste große Turnier kommt. Es steht bereits vor der Tür. Treffpunkt 2014 in Brasilien, wenn man die Einladung geschafft hat. Und dann wird man in Deutschland wieder singen: „Wir sind die Besten, die Größten, die Weltmeister, usw.“

Die Deutschen lernen es nie!

Claudio Mariotto aus Luxemburg.

P.S.: Der Bericht wurde nach dem Italienspiel geschrieben. Er konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht früher ausgeteilt werden.

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12 Antworten zu Claudio Mariotto: DIE DEUTSCHEN LERNEN ES NIE!

  1. Nauwiesbande schreibt:

    Recht hat er. Leider herrscht nach deutschen Niederlagen immer pogromoide auf den Strassen.
    Eine echte Schande!

  2. Klebebildchen schreibt:

    Na, na Herr Mariotto, wir hatten ja auch ein bisschen weniger Grund uns ruhiger zu verhalten.
    So ganz ohne Wettskandale und kontroverse Pressekonferenzen.
    Und zu dem Sandkasten Rocker der „Nauwiesbande“ sei gesagt:
    Müsste ich in diesem Viertel leben, würde ich wahrscheinlich das gleiche empfinden.
    Warum wandert ihr nicht aus, wenn alles so mies auf unseren Straßen ist?
    In Absurdistan ist die Stimmung für ausgeruhte Langschläfer bestimmt besser. Und sogar vermummen darf man sich dort.

    • carstenbordeaux schreibt:

      Zumindest nach dem Halbfinale gab es viele gute Gründe für „wir“, sich ruhig zu verhalten.

      • Klebebildchen schreibt:

        Stimmt!
        Hat ja auch die Mehrheit gemacht. Aber danach ist auch immer davor.

      • carstenbordeaux schreibt:

        Das ist keine Entschuldigung für die Minderheit der schlechten Verlierer, die eben auch in nicht geringer Anzahl italienische Fans beschimpften oder, wie einige Zeitungen schrieben, mit Spaghetti bewarfen.

  3. Klebebildchen schreibt:

    Warum sollte man sich auch immer für jede Minderheit entschuldigen müssen. Mühsam. Ich kenne in meinem Umfeld niemand der so ist. Wir wurden von einer griechischen Minderheit auch beleidigt.
    Das ist das gleiche. Idioten gibt es überall und zu jeder Zeit. Wie im Stadion. Da gibt es auch 3 % Idioten. Aber Ist deshalb gleich jeder oder gar ein ganzes Land ein schlechter Verlierer?

    • carstenbordeaux schreibt:

      Haben Sie nicht eben noch „Wir“ gesagt? Wenn ja, wofür steht dieses „Wir“? Nur für Sie, Ihr Umfeld und Sie oder für alle Deutschen Fußballfans, gar alle Deutschen?

  4. Klebebildchen schreibt:

    Ja aber ich nehme es den Griechen halt nicht übel. Weil ich unterscheiden kann. Und „Wir“ steht für eine klare Mehrheit. Insofern brauche ich mich für einige unbelehrbare auch nicht zu entschuldigen, punkt.

    • carstenbordeaux schreibt:

      Das beantwortet nicht, wer „Wir“ ist. Wenn „Wir“ die Mehrheit der nichtpöbelnden Deutschlandfans ist, würde es sie als Verlierer dennoch ehren, wenn sie sich für die „Unbelehrbaren“ entschuldigen würden. Das zeigt Größe.

      • Corletzki schreibt:

        DIE DEUTSCHEN LERNEN ES NIE!
        Wer mit solch einem Schwachsinn und damit alles über einen Kamm schert und dabei selbst ein Pauschalurteil abgibt, darf umgekehrt nicht erwarten das man sich für sog. „andere“ entschuldigt. Im übrigen definiert sich die sog. „Größe“ nicht dadurch indem man sich für allen und jeden Scheiss den andere fabrizieren entschuldigt. Wer sich über ein paar Spaghetti auf den Straßen und ein paar besoffene aufregt die Schmähgesänge trällern und das als ALLGEMEINE Referenz seiner Landsleute ansieht, der schaut entweder zuviel Mainstream Nachrichten oder hat sein eigenes egoistisches Weltbild schon lange verinnerlicht. Im übrigen sollte sich wenn überhaupt der O.G Italienische Verfasser dafür entschuldigen das er eine harmlose TV Sendung (Waldis Club) und deren Stimmungshits, über dessen Geschmack man sicher streiten kann, mit sog. „Liedgut“ aus einem ganz dunklen Kapitel der deutschen Geschichte vergleicht.
        Wie würde des der Verfasser denn finden wenn ich meinen Kommentar jetzt mit dem Slogan abschliessen würde: DIE ITALIENER LERNEN ES NIE! Beispiele um diesen Satz zu untermauern findet man in der Vergangenheit bestimmt auch genug.
        Aber das tue ich nicht, denn, sorry ich unterscheide bei A…l….ern nicht welcher Nationalität diese angehören. Denn die gibt es überall. Das Gegenteil wirst man nur schwer beweisen können. „Ehren“ würde es die das das mal unterscheiden lernen.
        PS: Im übrigen habe ich eine Doppelte Staatsbürgerschaftt. Das dürfte ja hoffentlich bei dieser sinnlosen Debatte nicht auch noch eine Rolle spielen. Dann wird es nämlich richtig kompliziert.

      • Carsten schreibt:

        Drei Hinweise:
        1.) Der Verfasser ist Italiener und Luxemburger.
        2.) Schreiben Sie bitte weder meine Kommentare dem Verfasser des Artikels, noch die Aussagen des Verfassers mir zu. Das verwässert die Debatte und ist Ihnen einige Male passiert.
        3.) Nehmen Sie Artikel von Claudio Mariotto so, wie sie zu nehmen sind: locker.

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