Leistungsschutzrecht…

…oder warum ich zukünftig keine Artikel der Saarbrücker Zeitung mehr verlinke.

Es war am gestrigen Abend auf Twitter, der Plattform die ich immer mal wieder gerne zum Austausch von Nachrichten, Artikeln und Gedanken, manchmal auch Fotos aus Bordeaux, nutze. Am Abend twitterten die meisten Nutzer über das Länderspiel Deutschland – Griechenland, Peter Stefan Herbst, Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung (unter dem Twitternamen @PSHerbst aktiv) twitterte über ein Gespräch, das er mit der Nachrichtenagentur DAPD zum Thema Urheberrecht und Leistungsschutzrecht im Internet hatte. Ich las mit Interesse und twitterte kurz darauf ob der Position Herbsts:

Aber Carsten, ist das jetzt nicht etwas grob und wieder mal typisch übertrieben von Dir?
Vielleicht. Ich hätte es auch auf einen öffentlichen, empörten Tweet verzichten können. Aber lieber wollte ich eine kleine Diskussion mit @PSHerbst selbst, denn es waren Sätze wie „Dass Inhalte im Internet immer frei sind und nichts kosten, wird dauerhaft nicht funktionieren“, die mich ein klein wenig aufregten. Ich fragte also nach, ob denn Inhalte wie Blogs, die von Lesern kein Geld verlangten, nichts wert seien. Die Antwort ließ mich daran zweifeln, ob Herr Herbst den Unterschied zwischen „besitzen“ und „nutzen“ kennt. Er schrieb, dass Blogs einen Wert hätten und, dass jeder die Freiheit habe, „Eigentum zu verschenken.“

Das ist, mit Verlaub, ziemlicher Unsinn. Wenn ich hier schreibe, mache ich Inhalte öffentlich zugänglich, erlaube jedem Nutzer dieser Seite, sie zu lesen, zu kommentieren, sogar unter Beachtung der rechts genannten CC-Lizenz abzuändern, zu remixen und erweitern und weiterzuverbreiten. Aber weder gebe ich mein Urheberrecht an den Artikeln auf, noch gestatte ich jedem ein uneingeschränktes Nutzungsrecht an meinen Texten. Ich schaffe etwas, das ein Urheberrecht besitzt. Ich verschenke keins.

Was ist nun los?
Ich will aus dem Beitrag keine Inhaltszusammenfassung der durchaus interessanten Diskussion mit @PSHerbst machen. Ich will nur für alle Leser erläutern, warum zukünftig unter anderem keine Links mehr zu Online-Angeboten der Saarbrücker Zeitung mehr in diesem Blog zu finden sein werden. Zunächst einmal hege ich keinen Groll gegen die SZ, stehe offen dazu, dass ich ein Jahr für die Zeitung als Kolumnist tätig war und sehe das hier nicht als „Rache“ an irgendwelchen Journalisten, die ich teilweise persönlich kenne und die das, zumindest teilweise, jetzt so sehen könnten (und es auch werden). Es ist allerdings ein reiner Protest gegen die geplante Einführung des Leistungsschutzrechtes. Dieses wird von großen Verlagen als Mittel eingefordert, um sich selbst gegen Dienste wie Google News zu behaupten, die – so die Verleger – mit ihren Nachrichten Geld machen. Andererseits macht eben dieser aktuelle Vorschlag für den Gesetzesentwurf auch im Zweifelsfall Blogger angreifbar, die in ihren Texten Zeitungen ausschnittsweise zitieren – eine Praxis, die nach dem Zitatrecht bislang unverfänglich war (siehe dazu den Kommentar im lawblog: „Digital kastriert“). Abmahnungen sind für Blogger meist auf einen Schlag eine große Summe, die ungerechtfertigt wirkt und meist vom zukünftigen Bloggen abschreckt. Wer also kritische Blogger lahmlegen will, hätte zukünftig gerade mit diesem Leistungsschutzrecht ein schön perfides Hilfsmittel.

Und weiter?
Die Konsequenz ist für mich, dass zukünftig Links zur SZ ausbleiben. Solange Herr Herbst denkt, Blogger verschenken Texte und das Leistungsschutzrecht in dieser Form stelle keine Gefahr für den Nutzer dar, sage ich: Liebe SZ, such Dir Deine Klicks selbst zusammen.

Und nun geht es weiter mit Sport…

Wer allerdings mehr über die Thematik wissen will, wird hier gut bedient:

Indiskretion Ehrensache – Der Wahnsinn Leistungsschutzrecht
Lummaland – Mit dem neuen Leistungsschutzrecht wird nur eine Frage beantwortet

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2 Antworten zu Leistungsschutzrecht…

  1. textundblog schreibt:

    Noch steht ja in den Sternen, ob das sogenannte Leistungsschutzrecht so kommen wird, wie es sich die Verlagslobby von der Politik wünscht. Jeder, der sich ernsthaft mit der Thematik befasst, erkennt rasch den Unsinn des Vorhabens. Ich weiß nicht, ob die Reaktion deshalb Zeitungen nicht mehr zu verlinken, die richtige ist, aber ich kann nachvollziehen, dass Blogger zu diesem Schluss kommen, solllte das LSR Realität werden.

    Deinen Tweetaustausch mit @PSHerbst habe ich gestern nicht verfolgt, aber später nachgelesen. Ich finde, Du hast dabei die richtigen Argumente genannt. @PSherbst hat mich mit seiner Position (sowohl in eurem Austausch, als auch im verlinkten WELT-Artikel) überrascht, da ich ihn bisher für einen klugen Menschen gehalten habe und ihm die Naivität, mit der er an die Sache ran geht (sinngemäß war ja gestern seine Position: „Blogger, die nicht mit Gewinnabsicht bloggten, hätten keine negativen Auswirkungen des LSR zu fürchten“), nicht ganz abnehmen kann. Dass er bei der Diskussion auf der Seite der Verlage steht, ist als Chefredakteur der SZ nicht ganz ungewöhnlich. Dass er die Unsinnigkeit des Leistungsschutzrechtes und dessen fatale Folgen nicht nur für die freie Kommunikation im Netz, sondern vor allem auch für die Verlags- und Zeitungslandschaft, trotz der ernst zu nehmenden Warnungen aller Experten nicht einsehen mag, ist bedauerlich.

    • carstenbordeaux schreibt:

      Ich verstehe jeden, der meine Schlussfolgerung nicht teilt, nicht mehr auf die SZ zu verlinken. Der Zeitung wird es nicht schaden, da es nur Symbolcharakter für meinen Blog hat (obwohl die SZ durchaus von diesem Blog aus Klicks bekam). Zugleich will ich aber auch zeigen, dass sich wertvolle Inhalte durchaus ohne Verlage machen lassen.

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