Zum Reinlesen: Ultras und Fankultur

Im letzten FCSBlog war die Ausrichtung ja bereits nicht nur auf alles, was den 1. FC Saarbrücken betrifft, festgelegt, sondern hat sich, mal hier, mal da, das rausgepickt, was mir so gefällt. Oder was mir nicht gefällt, aber auffällt und einen Blogbeitrag wert ist. Im FCSBlog 2.0 war es, aufgrund hoher Aktualität, bereits mehrmals der Fall, dass ich mich Platzstürmen, Fangewalt und durchaus beschämenden Kommentaren dazu gewidmet habe.

Nun will ich aber mal auf zwei Texte hinweisen, die für alle diejenigen lohnen, die sich entweder einhergehend mit der Materie befasst haben oder es noch wollen. Der erste Artikel stammt erstaunlicherweise vom Fachblatt Kicker, das nicht wirklich bekannt ist, sich groß mit Fanthemen zu beschäftigen. Autor Jörg Jakob bringt es in „Das Ende der Fankultur“ aber trefflich auf den Punkt, wenn er schreibt:

Die Verbände haben den Rat von Gewaltforschern, Fanbetreuern und Polizeiexperten befolgt, „sich nicht vor den repressiven Karren der Politik spannen zu lassen“ (Kriminologe Thomas Feltes), und auf den Dialog gesetzt. Sie müssen dies weiter tun, auch wenn ein renitenter Teil der Ultra-Bewegung unerreichbar scheint und sich weiter radikalisiert. Gerade jetzt muss mit den Fans geredet werden, nicht nur über sie…

Der andere Artikel ist hingehen eher ein „Quellendokument“, denn Kommentar. Auf Spox.com hat User „Bailey“ sich einmal die Mühe gemacht und mit Ultras geredet, in diesem Falle mit Vertretern aus der Fanszene des FSV Mainz 05. Dass man zwischen Ultras verschiedener Vereine unterscheiden muss, ist klar. Dennoch lassen sich viele, auf die gesamtdeutsche Situation verallgemeinerbare Zitate finden. So bemängeln die Ultras im zweiten Teil des Interviews die Arbeit der Presse:

Norman:  (…) Es geht immer nur um ein angebliches Gewaltproblem oder sonstige Ausschnitte, aber kein Reporter nimmt sich die Zeit auch wirklich mal mit uns zu sprechen und sich in die Sache einzuarbeiten…

Andi: (…) Da fehlt oft die reflektierte journalistische Auseinandersetzung. Heute gibt es zu vielem einen dpa-Artikel, der dann von Zeitungen oder Sportportalen übernommen wird und das wars dann.

Das sind Aussagen, die ich auch für das Saarbrücker Umfeld bei einigen Vorfällen der letzten Jahre so bestätigen könnte. „Mangels Ressourcen“, wie der Journalist so schön sagt, greift man bei vielen Berichten lieber auf den Polizei-Bericht oder die Meldung aus dem dpa-Ticker (die meist nur den Polizeibericht noch einmal zusammenfasst) zurück. War bei den Vorfällen in Theley oder Jena in etwa so.

Was zur Verteidigung der Journalisten hinzu gesagt werden muss: Nicht alle Ultras würden von sich aus Journalisten Auskunft geben. Wo in der Ultraszene oftmals Differenziertheit von Journalisten eingefordert wird, mangelt es an der eigenen Fähigkeit, zwischen unterschiedlichen Medien zu differenzieren. Nicht jeder Journalist schreibt aus Zwang automatisch gegen Ultras, nicht jede Ultra-kritische Meinung ist nachgeplappert.

Zudem bleibt die Gewaltfrage, bei die auf spox.com interviewten Ultras meiner Meinung nach dürftige Antworten geben. Die Feststellung, dass Gewalt gesellschaftlicher Alltag ist und bei jedem Dorffest vorkommt, ist zwar richtig, aber nicht neu. Antworten nach dem „Warum?“ geben auch sie nicht. Das macht das Interview nicht weniger lesenswert, da es auch zum Diskurs um die vermeintliche „Welle der Gewalt“ gehört, sich mal die Meinung derer zu geben, die eben nicht jeden Tag die Seite 1 der Tageszeitungen zur freien Verfügung haben.

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