Eine lange Zeit für den FCS

'resignation' von Carsten_FCSHeute morgen sah ich, dass es bereits fünf Jahre her ist. Vor fünf Jahren spielte der 1. FC Saarbrücken zu Hause gegen den 1. FC Kaiserslautern II, das Team, das in dieser Saison nicht nur sang- und klang-, sondern vor allem sieglos aus 34 Spielen hervorgehen sollte und mit zehn Punkten abstieg. Zwei der zehn Unentschieden der Pfälzer errang die Rote Brut gegen den FCS. Ein Sieg hätte zum vorzeitigen Klassenerhalt und damit dem halbwegs versöhnlichen Abschluss einer durchweg verkorksten Saison gereicht.

Ich bloggte damals, mit Wut und Enttäuschung aus dem Ludwigspark kommen, über diese Schande. Ich fühlte mich von meinem Verein betrogen. Im Stadionheft durfte Hartmut Ostermann, damals zum letzten Mal als Präsident das Vorwort schreibend, über ein „insgesamt ordentliches Fußball-Jahr“ des „Gesamtverein 1. FC Saarbrücken“ sinnieren. Schon damals regte ich mich darüber auf: Wie kann man ernsthaft von einem ordentlichen Fußball-Jahr reden, wo man sich im Saarlandpokal in Gresaubach mit Niederlage und anschließendem Einspruch plädierte? Wo man den größten Fehler schon vor Saisonbeginn mit der Verpflichtung von Michael Henke als Trainer beging? Wo man lieber auf Prestige und Altstars vertraute, als einer aufstrebenden Spielergeneration um Mike Frantz früh die Chance zu geben? Nein, das war keine Diplomatie, es war die Arroganz des Gesamtvereins 1. FC Saarbrücken, der schon vor Saisonbeginn an den Wiederaufstieg glaubte. Die Fans haben den Fehler, zu viel zu erwarten, schnell nach unten korrigiert. Ihnen wurde vorgeworfen, Henke aus dem Amt gedrängt zu haben. Dabei war es die Uneinsichtigkeit von Ostermann und Co., das eigene Versagen einzugestehen. Lieber behielt man den fehlerhaften Kurs bei und lenkte den Verein in die Oberliga.

Damals schrieb ich auch: „In der Sommerpause muss, egal in welcher Spielklasse man die Saison 07/08 bestreiten wird, ein gewaltiger Umbruch stattfinden!“ Zumindest personell kam er, als Ostermann und Meiser sich zurückzogen, bekannte und vor allem unbekannte neue Gesichter installiert wurden. Eine Fehlentscheidung der alten Führung wurde vererbt, man ging mit Wolfgang Loos in die Oberliga. Ein Jahr später fand der FCS sich noch eine Liga tiefer wieder.

Ob der wirklich gewaltige Umbruch auf Präsidiumsebene je vollzogen wurde, ist schwer zu sagen. Hinschberger setzte eigene Akzente, nicht immer erfolgreich, aber immerhin etwas fannäher als sein Vorgänger. Keiner der Ostermann-Nachfolger stand je unter dem Verdacht, ein Gegner des (immernoch) großen Gönners des FCS zu sein. Ich denke, dass auf den Umbruch auf dieser Vereinsebene noch lange gewartet werden kann.

Aber so ein wenig gutes hatte der (doppelte) Abstieg im Endeffekt doch, da er mit der Verpflichtung von Dieter Ferner eine neue Kultur der Zusammenarbeit zwischen Vorstand und sportlicher Ebene einführte. Der zu große Einfluss des Vorstands auf das sportliche Geschehen, der mitunter in grotesk anmutenden Possen wie der Diskussion um Sportdirektor Dr. Bernd Coen gipfelte, war unter Ferner plötzlich ein Relikt alter Tage. Dieser verzögerte, dann aber wahrhaftige Umbruch erlaubte es auf sportlicher Ebene mit ruhiger Hand und Kompetenz ein langfristiges sportliches Konzept aufzubauen. Diese Entwicklung hätte es ohne den Absturz vor fünf Jahren nicht gegeben.

Warum ich aber gerade heute dieses eher unerfreuliche Beispiel jüngerer FCS-Geschichte wieder auftische? Es sollte uns allen, vor allem aber auch der aktuellen FCS-Führung ein mahnendes Beispiel für die Zukunft sein, nicht wieder in die Arroganz früherer Tage zu verfallen, indem der Vorstand seine Fürsorge für den sportlichen Bereich mit Einflussnahme verwechselte. Sonst kann sich Geschichte leicht wiederholen.

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