Fuppes des Tages: Gerichtsshow Fußballdeutschland

Update 26. Mai, 10:16 Uhr: Das DFB-Bundesgericht hat den Einspruch Herthas endgültig abgelehnt und legt damit, wie im Artikel beschrieben, den Grundstein, dieses unwürdige Treiben endlich zu beenden. Ich hoffe, dass auch Hertha jetzt die sportliche Niederlage akzeptiert – und nicht etwa auf die Idee kommt, mit irgendwelchen Forderungen vor ein Zivilgericht zu ziehen. Die Bayernklage lässt grüßen.

Fuppes des Tages? Was rede ich, eher Fuppes, der uns noch Wochen beschäftigen wird und in all seinen Nebenschauplätzen und Folgen wohl erst gaaanz, gaaaaaanz viel später irgendwann in Ruhe lassen wird und dann nur noch in Bundesligarückblicken der Rede wert ist. Natürlich die Gerichtsverhandlung zum Einspruch der Hertha, der jetzt vor dem DFB-Bundesgericht verhandelt wird, nachdem das Sportgericht ihn in erster Instanz abgewiesen hatte. Ich brauche nicht das Urteil abzuwarten, um mich festzulegen, dass dieses traurige Schauspiel vor allem eines ist: Theatralik, die in der gezeigten Art und Weise nicht den Drang nach einem gerechten Urteil stillt. Sondern Hertha als letzte offene Tür, um den mehr als verdienten Abstieg doch noch abzuwenden.

Was passiert ist, wissen wir alle hinlänglich. Doch trotzdem muss das alles noch einmal verhandelt werden, wegen irregulärer Bedingungen, sagen die Berliner. Weil sie angeblich Angst hatten, weil sie angeblich in Gefahr waren. Im Gegensatz zum Relegationsspiel um den Startplatz in der Zweiten Bundesliga kam es zwar weder zu Gewalt, noch zu Verletzten, allerdings müssen uns in TV-Talksendungen zahlreiche fußballfremde Menschen erklären, wie böse Stehplätze und Ultras so sind. Damit offenbart diese Art von Fernsehen mit intellektuellen Anstrich das, wofür ich sie schon lange halte: Die konsequente Fortsetzung von Nachmittagstalkshows der 90er Jahre ohne inhaltlichen Mehrwert.

Das ist nur einer der vielen negativen und nervigen Nebeneffekten. Der Hauptknaller spielt sich ja derzeit im Gerichtssaal ab. Dort zeigen sich die Anwälte gegenseitig Beweisfotos, die jeweils belegen sollen, dass irreguläre Zustände herrschten oder halt nicht. Was sich für mich und meinen gesunden Menschenverstand nicht erschließt: Warum verhandelt man ernsthaft anhand der Fotos des Innenraums des Stadions, wo das Spiel doch live im Fernsehen ausgestrahlt wurde und es sicherlich genug objektives Beweismaterial in Videoform gibt? Dann ist da noch die Sache mit den Tränen. Ob Spieler aus Angst weinen? „Tränen der Angst“ könnte unter Michael Preetz in der Dudenredaktion wohl schnell Eingang in den Sprachgebrauch finden. Leute, seid bitte da mal ehrlich: Wenn ein Spieler kurz vor Ende des Spiels weint, tut das, weil er eine nicht oder nur schwer abwendbare Niederlage ahnt. Siehe Basti Schweinsteiger nach seinem Elfmeter.

Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt, der übrigens 1995 den 1. FC Saarbrücken vertrat, als dieser als Zweitligist die Lizenz entzogen bekam (nur mal so Hertha, auch große Namen machen nicht alles), sagte den bedeutungsvollen Satz: „Jeder Einfluss von außen führt automatisch zu einer Schwächung der Mannschaft.“ (Quelle: bz-berlin.de-Liveticker). Heißt das also, dass wir in Zukunft den sterilen Fußball haben müssen, der Zuschauer hinter schalldichte Plexiglaswände verbannt? Ab wann ist es ein Einfluss von außen? Schon beim Fangesang, beim Diffamierenden Plakat? Wenn die Einblendung auf der Werbebande den Spieler beim Ausführen des Eckballs ablenkt? Der DFB ist gut beraten gegen Hertha zu urteilen und nicht allen Menschen die Steilvorlage zu liefern, um alles mögliche in ein solches Urteil hineinzuinterpretieren.

Zudem kann man auch dieses Zitat des Anwelts mal ganz groß zur Debatte stellen: „Wir wollen keine Bestrafung von Düsseldorf. Wir wollen ein gerechtes Spiel über 90 Minuten bis dass es der Schiedsrichter ordnungsgemäß beendet.“ Zunächst ist einfach einmal festzustellen: Aus Sicht des Schiedsrichters Stark wurde das Spiel ordnungsgemäß beendet. Rüttelt der DFB daran, schwächt er mal wieder die nicht sehr wohlgelittene Position seiner Schiedsrichter. Dann die Frage: Ist eine Wiederholung des Spiels denn überhaupt gerecht? Die Spieler von Düsseldorf werden zumindest durch die Wegnahme eines, mehr oder minder, sicher geglaubten Aufstieges aus allen Wolken fallen, was sich durchaus auf die Wettkampffähigkeit auswirken kann. Der psychologische Vorteil eines Wiederholungsspiels läge eher bei Hertha als bei Düsseldorf. Oder gar eine Liga mit 19 Mannschaften? Mit welcher Begründung?

Was ich letztlich zu diesem traurigen Spiel, ohne das Ergebnis, das heute Abend feststehen soll, zu sagen habe: Fällt sportliche Entscheidungen bitte dauerhaft auch wieder sportlich und nicht am grünen Tisch. Selbst bei mitunter zweifelhaften Umständen oder gar zu Unrecht zu verlieren und trotzdem irgendwann den finalen Schlussstrich zu akzeptieren, ist auch Teil des Sportsgeistes und sichert das Fortbestehen des Sports. Oder verkauft uns bald einfach nur noch Karten für die Gerichtsshow.

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