Fuppes des Tages: Alfred Draxler

Heute bietet sich ja einiges für den „Fuppes des Tages“ an, angefangen bei der Entlassung von Krassimir Balakov in Kaiserslautern nach rekordverdächtigen 57 Tagen (Stefan Kuntz entwickelt sich vom Entwicklungshelfer zum Pannen-Stefan). Der wirkliche Fuppes und auch echte Aufreger kommt heute aus dem Hause Axel Springer, in Form der unsäglich schlechten Kolummne „Nachgehakt“ von BILD-Mann Alfred Draxler, die wirklich noch nie irgendeinem höheren Anspruch gerecht wurde, außer von Zeit zu Zeit zu provozieren. Das muss man dem Mann lassen: Wenn es darum geht, zu polarisieren, ist Draxler in seinem Metier. Geistige Anstrengungen unternimmt er in seinem heutigen Kommentar, na klar, zum Relegationsspiel in Düsseldorf (habe ich bereits hier kommentiert), aber nicht.

Den Höhepunkt der Kolumne bildet der scheinbar konstruktive Maßnahmenkatalog, den Draxler im Kampf gegen die Chaoten präsentiert. Stellen wir uns mal dumm und machen so, als wär das, was er schreibt, wirklich als konstruktiver Beitrag gemeint:

1. Abschaffung aller Stehplätze (wie bei internationalen Spielen längst üblich).

Stimmt, ist bei internationalen Spielen längst üblich. Zudem bringen Sitzplätze den Vereinen aufgrund der höheren Ticketpreise mehr Geld. Das Vorbild lautet England, das nach dem Taylor-Report für mehr Sicherheit sorgen wollte. Dass die Maßnahme längst nicht mehr zeitgemäß ist, haben selbst liberale Politiker in England bereits auf die Agenda bringen wollen, englische Fans haben indes die Pub-Kultur wiederbelebt oder fahren einfach über den Kanal nach – man staune – Deutschland. Die Stimmung in der Bundesliga sei fantastisch, heißt es dann.
Bei internationalen Spielen – keine Stimmung, keine „Gelbe Wand“ wie in Dortmund. Auch keine hübschen Stimmungsbilder mehr für die Medien, gähnende Stille im Stadion. Was dies mit der Sicherheit zu tun hat? Recht wenig. Den erhofften Effekt, dass ein anderes Publikum ins Stadion kommt, wenn man Stehplätze abschafft, erfüllt sich erst bei einer massiven Preiserhöhung, die sich Deutsche Vereine vorerst nicht trauen werden. Lücken entstehen in den unteren Ligen, in denen Stehplätze erlaubt bleiben – Draxlers Forderung nimmt die Verlagerung von „Gewalt“ in kleinere Stadion billigend in Kauf. Zudem darf ernsthaft gefragt werden, ob das gewalttätige Publikum wirklich immer steht. Als der schwedische Schiedsrichter Anders Frisk in der Champions League von einem Gegenstand am Kopf getroffen wurde und später seine Karriere beendete, saß der Werfer auf der Haupttribüne.

2. Totale Video-Überwachung auf den Rängen.

Da hat Draxler nun wirklich das Rad neu erfunden. Dass in den höheren Ligen in Stadion Kameras installiert sind, die Tribünen und Zuschauerränge erfassen, ist wahrlich nichts neues. In Saarbrücken wurden solche Kameras zu Zweitligazeiten (2004/2005) installiert. Zudem filmen Einsatzkräfte der Polizei bei nahezu jedem Spiel (vor allem bei „Risikospielen“) die Fanblöcke ab. Kommen in den oberen Ligen die Fernsehkameras hinzu. Was Draxler da noch zusätzlich überwachen will, weiß nur er.

3. Personalisierte Eintrittskarten, um die Täter identifizieren zu können.

Ein interessanter Ansatz, aber an sich wieder komplett unnütz. Dauerkarten sind meistens bereits personalisiert. Sonstige Eintrittskarten zu personalisieren hieße für die Vereine an den Einlässen für genaue Identitätskontrollen zu sorgen – schon haben wir ein logistisches Problem, das die Vereine nur ungern lösen wollen. Wie sinnvoll personalisierte Eintrittskarten bei der Erfassung von Tätern sein sollen, erklärt Draxler leider nicht. Vielleicht soll dann auch jeder Täter beim Werfen des Bengalos nochmal sein Ticket vorzeigen. Mehr als eine Abschreckung für Schwarzhändler sehe ich hier nicht.

4. Strenge Rechtsprechung und Stadionverbot für überführte Täter.

Ach nee, das ist jetzt aber mal was ganz, ganz neues, Herr Draxler! Dass zuletzt Vereine erfolgreich Geldstrafen auf einzelne Täter übertrugen, hat er wohl vergessen. Dass Stadionverbote auch auf dem Hausrecht beruhen und man nicht einmal einen Täter anhand von Beweisen überführt werden muss (das Einleiten eines Verfahrens, ein Verdacht reicht bereits aus), blendet der BILD-Kolumnist aus oder, was ich einfach mal vermute: Er weiß es schlicht nicht, weil er sich nicht wirklich mit dem Thema beschäftigt hat.

Was bleibt, ist ein Kommentar, der den Titel als „Fuppes“ des Tages verdient hat. Der Debatte dient der Kommentar von Draxler genauso viel wie Fans, die im Stadion Leuchtfackeln werfen.

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