Erste Neuzugänge, erste Gedanken

Das Gute an der Sommerpause und der Zeit vor den ersten Vorbereitungsspiele ist der Transfermarkt. Man sitzt vor einem Ticker, spekuliert angeregt, wer denn der Nächste sein könnte. Und alle sind gleich: Von der Presse ins Spiel gebrachte Namen erweisen sich als Wunschdenken, wie etwa Mario Vrancic. Der Defensiv-Könner, von der BILD als realistischer Kandidat angepriesen, wechselt von Dortmund II nun doch zu Paderborn. Es ist und bleibt eben in den Hinterzimmern der Geschäftsstellen verborgen, was die Vereine in dieser spannenden Zeit, in welcher der Ball ruht, denn so treiben.

Der 1. FC Saarbrücken hat dann heute immerhin wieder einmal ein paar Karten auf den Tisch gelegt. Neben den bereits feststehenden Neuzugängen Michael Müller (Wolfsburg II) und Artur Schneider (eigene U19) tragen nun Markus Hayer (Offenbach) und Pascal Pellowski (Elversberg) ab dem Sommer blau-schwarz. Anlass, aus dem Ausland mal ein wenig auf die bekannten Namen zu schauen – mehr könnte ich auch im Saarland derzeit nicht tun.

Testspielvk 057Michael Müller – Torwart, 22 Jahre alt: Kein Unbekannter – spielte bereits 2009/2010 für den FCS und erlebte unter anderem das sagenhafte 0:6 gegen Elversberg im Ellenfeld mit. Der Gesamteindruck in zehn Spielen blieb allerdings sehr positiv – manche Fans kritisierten die damalige Entscheidung Ferners, Enver Marina nach dessen Genesung Müller wieder vorzuziehen. Am Ende der Spielzeit verließ Müller Saarbrücken – wie es hieß habe er sich nicht sehr heimisch im Saarland gefühlt.
Etwas überraschend daher die Rückkehr, die bislang unter einem schlechten Stern steht – ein Knöchelbruch zwingt Müller erstmal ins Lazarett einzukehren. Dabei ist der ehemalige A-Junioren-Meister des SC Freiburg jemand, von dem sich nicht wenige erhoffen, dass er Enver Marina, immerhin bereits 35 Jahre alt und in der Vergangenheit öfters verletzungsanfällig und nicht frei von Patzern, in einem Jahr beerben könnte.

Artur Schneider – Mittelfeldspieler, 19 Jahre alt: Aus der eigenen A-Jugend kommend, gibt es derzeit noch keine Anzeichen, dass es sich hier um den Nachfolger von Johannes Wurtz handelt. Während der baldige Bremer Wurtz schon vor seiner Beförderung in den A-Kader Lob von höchster Stelle erhielt, steht Schneider etwas im Schatten von Benno Mohr und Sebastian Jacob, die beide den Weg viele Jugendspieler gehen – sprich weg vom FCS nach Mönchengladbach (Mohr) und Kaiserslautern (Jacob). Dabei hat sich die U19 des FCS allerdings in dieser Spielzeit, die mit dem Abstieg endete, nicht mit Ruhm bekleckert.
Schneider kann vier Tore in 21 Spielen, sowie einige Einsätze in der zweiten Mannschaft vorzeigen. Im Mittelfeld wird er in der kommenden Saison vor allem eines haben: Viel Konkurrenz. Allerdings wird ihm Luginger, hier darf man wenig Veränderung im Konzept des FCS erwarten, auch Chancen einräumen, sich zu beweisen.

Markus Hayer – Stürmer/Mittelfeldspieler, 26 Jahre alt: Vom OFC kommt Markus Hayer, genannt „Killer“. In Offenbach kam der ehemalige Windecker in zwei Spielzeiten nicht über eine Reservistenrolle heraus und kommt auf 24 Einsätze (im Durchschnitt davon 36 Minuten auf dem Platz) und vier Tore, immerhin mit steigender Tendenz, da Hayer im April quasi „im Alleingang“ Regensburg (zwei Tore) und Burghausen (ein Tor und eine Vorlage) bezwang. Aufgrund dieser Leistungen und der kleinen, sich zuletzt steigernden Rivalität zwischen dem FCS und dem OFC ein Wechsel, der den Hessen moralisch etwas schmerzt – sportlich dürfte ihnen der Abgang Hayers eher egal sein.
Die Geschichte erinnert ein wenig an Marius Laux – aber wiederholt sie sich? Der Unterschied liegt darin, dass Laux beim OFC zunächst Stammspieler war und ausgemustert wurde. Das war Hayer in Offenbach nie. Dass er erst zuletzt, als er in Offenbach seine Chance von Beginn an bekam, aufblühte und gute Leistungen zeigte, macht ihn zu einem interessanten Neuzugang. Ob er in Saarbrücken den Durchbruch schafft, hängt also auch von seiner Rolle im Team ab, die sich erst in der Vorbereitung manifestieren dürfte. Bei noch zu erwartenden Neuzugängen für den Sturm und der bislang ungeklärten Geschichte, ob Marcel Ziemer bleibt, eine recht spannende Frage.

Pascal Pellowski – Abwehrspieler, 23 Jahre alt: Entgegen der Tradition wechselt einmal ein Spieler aus Elversberg zum FCS – was nur bedeuten kann, dass es sich um einen Mann mit Potenzial handeln muss. Pellowski ist Innenverteidiger, defesiver Mittelfeldmann (davon haben wir nicht zu wenige) und, jetzt wird es spannend, linker Verteidiger. Auf dieser Position besitzt der FCS seit dem Weggang von Sebastian Pelzer, dem letzten nichtdauerverletzten, gelernten und guten Linksverteidiger, Probleme. Lukas Kohler machte seine Sache zwar meist ordentlich, ist aber gelernter Stürmer und hat seine Stärken also eher in der nach vorne spielenden Interpretation seiner Rolle.
Pellowski, in Elversberg mit einer längeren Verletzung bislang nur auf 18 Einsätze in dieser Saison gekommen, stammt aus der Jugend des SV Darmstadt und spielte zuvor zwei Jahre beim VfL Bochum II in der Regionalliga West, wo er 2009/2010 Dritter wurde. Ein solider Regionalligaspieler, der in der kommenden Saison zwei Fragen beantworten darf: Wird der FCS endlich in der Abwehr mit einem soliden Linksfuß antreten? Und hat Pascal Pellowski das Können, um auch eine Liga höher zu bestehen?

Von den getätigten Einkäufen sagt die Intuition, dass zwar alle einzeln betrachtet Sinn ergeben, aber mit Ausnahme von Pellowski wohl bislang von keinem zu erwarten ist, dass er eine bestehende Lücke schließt. Aber schon sehr oft haben sich vorherige Erwartungen an Transfers nicht erfüllt. Das Gute, aber auch Schlechte an der Transferpause: Man kann sich eigentlich nur irren.

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