Sebastian Pini wird wahrscheinlich Manager

Bestätigt hat es der 1. FC Saarbrücken noch nicht, aber die Spatzen, in diesem Falle BILD Saarland, Saarbrücker Zeitung und die allseits bekannten, wohlinformierten Kreise pfeifen es von den Dächern: Sebastian Pini soll morgen neuer “Geschäftsführer Marketing” des FCS werden. Wer ist dieser Mann also, dem der FCS in Zukunft große Aufgaben anvertraut?

Eine Überraschung scheint Pini nicht zu werden. Der studierte Jurist (Jahrgang 1967) war bis Januar 2012 Staatssekretär im Gesundheitsministerium, war Vorsitzender der Jungen Liberalen Saar und Schatzmeister im FDP Kreisverband Saarbrücken-Stadt – zu Zeiten als Hartmut Ostermann Vorsitzender eben jenes Kreisverbandes war. Zudem führen die Medien eine nicht näher spezifizierte Beratungstätigkeit bei einer israelischen Telekommunikations- und Computergesellschaft in ihrer Vorstellung Pinis an. Was vorerst nicht erneut angesprochen wurde, ist das 2009 eingestellte Drogenverfahren gegen Pini. Zwar längst Vergangenheit soll eben jener kleine Skandal die CDU bei Aufkündigung ihrer Koalition mit Grünen und FDP Anfang des Jahres noch einmal bestärkt haben. Pini selbst war im Rahmen der interenen, öffentlich ausgetragenen Querelen der Saar-FDP jedenfalls nicht weiter aufgefallen, außer dass er kurzzeitig für den Parteivorsitz kandidieren wollte – gegen seinen damaligen Gesundheitsminister Weisweiler, was für etwas Verwirrung sorgte. Pini zog Zugungsten Weisweilers, der später verlor, zurück.

Laut BILD soll Pini zum einen Mäzen Ostermann “bei der Stange” halten. Ich meine, dass man eher andersherum denken sollte: Einen Geschäftsführer Marketing ohne nachgewiesene Affinität zu Victor’s und Ostermann würde der Verein nicht lange behalten können. Was auch noch zu beweisen gilt, ist die Wirtschaftskompetenz Pinis, dessen Stationen eher auf das Profil “Parteisoldat” schließen lassen, der die “Ochsentour” bis ins Staatsamt gepackt hat. Eine Beratertätigkeit ist zu wenig, um auf die wirtschaftliche Kompetenz Pinis schließen zu können, im Sportmarketing oder Fußballbereich ist er ein kompletter Neuling und wird sich, wenn er ein kluges Marketing betreiben will, erst einmal intensiver damit beschäftigen müssen. Immerhin scheint er zumindest über Partei und Amt mit Öffentlichkeitsarbeit vertraut zu sein, da dies auch in seine Aufgabe als Staatssekretär fiel, in der er sein Ministerium repräsentierte und bei Barfußpfaden und mit Kindern im Imbiss kräftig anpackte.

Interessant ist noch seine Rolle im Stadionneubau. Er soll als Bindeglied zwischen dem noch zu gründenden “Kompetenz-Beirat” (ein Wort, das in seiner mittels Bindestrich hergestellten Vermengung zweier undurchsichtiger Begriffe von nun ab kritisch gesehen werden sollte) und dem Verein fungieren. Da könnten Pinis Kontakte in die saarländische Politik nützlich sein, wenngleich das Ende der Jamaika-Koalition ihre Spuren hinterlassen haben und die Arbeit etwas erschweren könnte.

Persönlich fühle ich mich etwas an die Zweitligazeiten erinnert, als Dr. Bernd Coen als Sportdirektor mit fußballfremden Hintergrund anfangs noch mit einigen Glückstreffern auf dem Transfermarkt gelobt wurde, später dann als einer der Verursacher des Abstiegs angesehen wurde. Er trat zurück, war aber noch durch die enge Verbindung zwischen FCS und Victor’s Monate im Stadion und Innenraum präsent. Mit Pini holt der FCS wieder einen Ex-Politiker mit gutem Draht zu Ostermann ins Boot, was einen an die Zeiten erinnert, als Loyalität ein wichtigeres Kriterium als Kompetenz darstellte. Insofern kann mich Pini als Geschäftsführer Marketing vorerst nicht optimistisch stimmen. Andere, beim FCS gescheiterte Mitarbeiter mit Ostermann-Affinität fanden sich später in anderen Ostermann-nahen Firmen wieder (wie auch Dr. Bernd Coen). Was als soziale Absicherung gemeint ist, vermindert, und das ist jetzt mal pure FDP-Logik, aber auch den Anreiz, viel zu leisten, da wirtschaftlicher Misserfolg für den Verursacher nicht bestraft wird.

Andererseits scheint Pini zumindest von Öffentlichkeitsarbeit etwas zu verstehen und hat auch Kontakte, die in der endgültigen Gestaltung des Stadionneubaus von Vorteil sein können. Nach dem unrühmlichen Ende der Jamaika-Koalition und dem Knick in der Politikerkarriere kann es nur im Interesse Pinis sein, sich in Saarbrücken einen guten Namen zu machen. Diese Chance hat er nun.

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